Perth – und so gings weiter
Chrissy February 8th, 2010
Als erstes ein Sorry: SORRY! Das lange Schweigen sei hiermit beendet und es folgen in Kürze weitere Berichte zu unserer Zeit in Perth. Es ist so eine Art Alltag eingekehrt und wir haben vor lauter Arbeitsuche und Co. gar keine Zeit und Muße gehabt zu schreiben. Wir haben Euch daheim jedoch keineswegs vergessen. Daher nun die allmähliche Aktualisierung. (Fotos gibt’s sobald wir wieder Internetanschluss in der Wohnung haben, denn in der Bib können wir leider keine Fotos hochladen) Fangen wir also erst mal vorne an…
Oh Du fröhliche… oh Du sonnige… Weihnachtszeit am Strand
Da das Hostel uns sehr teuer zu stehen kam und Perth uns auf Anhieb sehr gut gefallen hat, haben wir bereits am zweiten Tag damit begonnen uns eine andere Unterkunft zu suchen. Das Glück war uns hold und so sind wir bereits nach drei Nächten im Hostel in ein schickes kleines Häuschen gezogen. Ein kleines Zimmer, nicht mehr als ein Bett, jedoch viel Platz, Privatsphäre und ein um einiges kleinerer Preis. Unsere Mitbewohnerin/Vermieterin heißt Lucy und ist eine sehr nette, australische Studentin bei der wir uns sehr wohl fühlen. Bezahlt wird wöchentlich und bleiben können wir bis spätestens zum Ende der ersten Februar Woche. Dieser Deal war perfekt für beide Seiten, denn wir wussten ja noch gar nicht wie es denn weiter gehen würde. Weihnachten und Silvester hatten wir dann Sturmfrei und haben das auch gleich angemessen genutzt. Wobei Weihnachten eher ruhig vorbeigezogen ist. Holger, unsere Bekanntschaft aus dem Hostel, hat uns an Heilig Abend und auch noch einige Tage zuvor und danach, Gesellschaft geleistet in unserem neuen Heim. Da Lucy bei Verwandten war und das dritte Zimmer noch leer stand, haben wir ihn einfach mit einquartiert und so konnte auch er ein paar Pennies sparen. Zudem war es nett nicht ganz alleine zu sein. So gab es dann Weihnachten mal anders. Ein Strandbesuch am Nachmittag mit einer Flasche Sekt zur Feier des Tages (wir wissen inzwischen, dass trinken in der Öffentlichkeit verboten ist) und später grillen im Garten mit Känguru-Steak als Hauptgang. Danach Bier und Spieleabend bis wir alle dem fetten Essen, dem Bier und der späten Stunde zum Opfer gefallen sind. Ein schöner Abend, besonders abgerundet durch drei Skypetelefonate in die Heimat, so hat jeder von uns seine Liebsten sehen und hören können und wir sind danach glücklich in Bett gefallen.
Frohes Neues – Silvester in Perth
Holger erwarete Besuch von 4 deutschen Freunden die ebenfalls derzeit in Australien rumtouren. Wir haben auch sie kurzerhand hier einquartiert, zack war die Bude voll. Mit dieser Truppe haben wir dann auch Silvester verbracht. Auch hier wieder: grillen, aber diesmal ohne Känguru. Es gab viel Bier, nette Unterhaltungen, ein unglaublisch Schluckreiches Trinkspiel und im Anschluss einen Betrunkenenmarsch in die Innenstadt. Das dauert unter normalen Umständen eine halbe Stunde, wir haben eine volle stunde benötigt, hatten dafür aber auch ne riesen Gaudi. In Perth angekommen haben wir uns ins Getümmel gestürzt. Allerdings fiel uns nach kurzer Trockenperiode auf, dass niemand, wirklich niemand, auf der Straße ein Bier in der Hand hat. Sekt gab’s auch keinen, nix. Dennoch schienen viele betrunken. Sie hatten es wohl genauso gemacht wie wir. Wir allerdings waren bald definitiv schon wieder zu nüchtern. Da die Bars und Kneipen jedoch unsagbar voll waren, ist es dann auch dabei geblieben. Kurz vor Mitternacht sind wir dann auf den Platz mit der Leinwand gestürzt und haben gemeinsam mit einem sehr multi kulturellen Haufen drumherum lauthals runter gezählt. 3, 2, 1,”Happy new year!” Ein kurzes “Yeah” aus der Menge, einige Umarmungen und zack: alle gingen heim. Wir standen völlig perplex auf der schon bald fast leeren Wiese und haben uns gewundert wo denn Feuerwerk, Sektkorkenknallen und Co. blieben. Nix! Die sind einfach alle nach hause gegangen. Das war mal die langweiligste Silvestersause meines Lebens. Besonders interessant jedoch war dann der Zeitungsartikel am kommenden morgen: die meisten Verhaftungen in der Silvesternacht gab’s in Perth. Mehr noch als in Sydney. Und wir sagen Euch was, wir wissen genau warum! Die haben einfach jeden eingesackt der dumm aus der Wäsche geschaut hat. Darum war auch nix los! Oder wir waren im falschen Stadtteil. Wobei wir das bezweifeln.
Und sonst?
Bei Lucy sind wir bald auch mental an- und damit zur Ruhe gekommen. Es ist schön wieder an einem fixen Punkt zu leben und sich nicht andauernd neu orientieren zu müssen. Zudem gefällt Chrissy die Küche sehr gut, sie kocht fleissig und freut sich immer drüber. Die beste Vorraussetzung für uns um langsam wieder fetter zu werden
. Es gibt sogar Internet, auch wenn es eigentlich das vom Nachbarn ist (schelmisches Grinsen an dieser Stelle). Leider hat dieser Nachbar bald gemerkt, dass jemand über sein WLan surft und uns den Hahn abgedreht. Wir hoffen, dass er nicht per Download zahlt, denn dann war die Rechnung bestimmt ein erhellndes Erlebnis. (oops) Unsere Tage bestehen vornehmlich aus Besuchen in der Stadtbibliothek, denn dort gibt es kostenlosen Internetzugang. Das macht die Bib natürlich zu einem sehr beliebten Angelpunkt für Backpacker und wir nennen es inzwischen Klein Deutschland, da die Meisten Deutsch zu sprechen scheinen. Das ist dann immer wieder sehr befremdlich und vor allem nach so langer Zeit ungewohnt und wir müssen uns dringend abgewöhnen unreflektierte Kommentare über Anwesende Personen vom Stapel zu lassen, da die Chance groß ist, dass uns jemand versteht. Umgekehrt ist eben das dann schon mal recht lustig, denn das vergessen andere Landsleute auch ganz gerne mal
. Inzwischen kennt uns sogar das Bibliothekspersonal und wir werden regelmäßig gefragt wie es denn mit der Jobsuche so läuft. Chrissy ist übrigens auch wieder voll und ganz in der Zivilisation angekommen und hat bereits die dritte Haarfarbe aufm Kopf. Sie waren blond, lila und nu sind se dunkelbraun. Roland hat den Rasierer wiederentdeckt und sich für Vorstellungsgespärche ne Anzughose und passende Schuhe gekauft. Das sind wir alles gar nicht mehr gewöhnt.
Unser Rusty
Die Jobsuche schleppte sich so dahin und so haben wir uns mit der Möglichkeit auseinander gesetzt doch frühzeitig weiter zu ziehen, auch wenn wir gerne ein halbes Jahr hier bleiben wollten. Daher haben wir etwas Geld in die Hand genommen und uns ein Auto gekauft. Getauft haben wir unseren Van auf den Namen “Rusty”, denn der einzige Makel der uns gestört hat war ein durchgerostetes Loch am Seitenfesnter. Aber auch das macht nicht wirklich was und für australische Verhältnisse war Rusty ein Schnäppchen. Vor allem von Vorteil: er fährt auf LPG (Gas) und damit sparen wir doch so einiges an Spritgeld. Dennoch schluckt er ganz schön und eine Reise durch Australien wird uns da wohl noch so manches Tröpfen Sprit kosten. Doch wir sind unglaublich glücklich und euphorisch. Endlich wieder Auto fahren. Endlich wieder unabhängig und mobil. Traumhaft. Roland ist ganz besonders begeistert und würde am Liebsten gleich los fahren. Chrissy ist da etwas skeptischer und hat ganz einfach auch viel mehr Schiss vorm Linksverkehr. Zudem war zu Anfang noch nicht raus ob wir denn nun überhaupt berechtigt sind hier Auto zu fahren, da wir ja keine australischen, geschweige denn internationalen Führerscheine besitzen. Das haben wir einfach versäumt. Wir dachten uns: schauen mal was passiert sollten wir angehalten werden. Ein Auto zu kaufen war auf jeden Fall kein Problem und es auf uns umzumelden auch nicht. Dazu brauchte es nicht mal einen Führerschein. Ummelden tut man eh in der Post, genau wie alles andere. Der Automarkt in Autralien ist riesig, unübersichtlich, überteurt und verwirrend. So muss man regelmäßig REGO bezahlen, halbjährlich oder jährlich und kann das Auto dann ohne weitere Kontrollen so lange fahren wie man will. Zumindest ist das in West Australien so. In anderen Bundesstaaten sind die Regeln anders. Zu unserem Glück haben wir nun ein Auto mit West australischer Plakette, die verkaufen sich besser, vor allem an Backpacker. Denn die REGO kann auch online gezahlt werden und man muss nicht zum “TÜV” im jeweiligen Bundesstaat. Viele meinten, dass wir Rusty in Sydney später teurer verkaufen können als wir ihn gekauft haben. Das wäre natürlich spitze. Inzwischen haben wir eine Ausziehcouch hinten drin, das macht das Reisen doch recht kompfortabel. Wir werden Rusty in nächster Zeit weiter rüsten um später mehr vom wunderschönen Australien zu sehen. Zudem hat zumindest Chrissy inzwischen bereits einen australischen Führerschein beantragt und auch das war kein Problem, hat eben nur, wie alles andere auch, ein bisschen Geld gekostet. …
- Australien , Chrissy , Länder , Roland
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