WIR IN PERTH – Ein kurzes Update
Chrissy January 15th, 2010
Wir sind da, endlich: Australien. Die ersten Tage verbringen wir staunend und laufen mit offenen Mündern durch die Straßen der Stadt. Alles ist so sauber, groß, weit,… und wir erleiden nach Indien den Kulturschock mal anders rum. Es ist fantastisch, so viele kleine und große Dinge die wir teilweise vermisst haben ohne es zu ahnen. Perth ist ganz schönes Kontrastprogramm und wir genießen es in vollen Zügen, auch wenn uns die Preise immer wieder schockieren. Ein Schlafplätzchen im Schlafsaal unseres Selbstversorger-Hostels kostet mehr (fast doppelt so teuer) als eine Nacht im Zweibettzimmer eines indischen Luxushotels mit Pool, Restaurant und WiFi. Dafür gibt es jedoch eine gut bestückte Küche, eine ordentliche Waschmaschine (nach Monaten Handwäsche), einen Trockner, einen geselligen Gruppenraum mit Couch und Fernsehen und was das europäische Herz eben sonst noch so begehrt. Zugegeben, in Indien brauchten wir keine Waschmaschine, weil wir jemanden zum Waschen engagierten, und wir brauchten auch keine Küche, da für uns gekocht wurde. Nun ja, der “fette Monat” ist wohl vorbei. Jetzt heißt’s wieder Selbstversorger.
Perth präsentiert sich in strahlender, glühender Sommerhitze und ist eine Großstadt die es schafft so zu tun als sei sie ein Dorf (Dieser Eindruck kann natürlich täuschen da wir von einem Land mit 1 Milliarde Menschen auf einen Kontinent mit 20 Millionen Einwohnern reisen). Die besiedelte Fläche ist groß, es gibt ca. 1,8 Mio. Einwohner, doch die Innenstadt beschränkt sich auf eine nur kleine Gruppe Wolkenkratzer die über sonst flache Bauten und ebene Fläche hinaus ragen. Der Nahverkehr ist modern, sauber und alles gut erschlossen, dafür kostet uns aber auch ein Einzelfahrticket soviel wie eine ganze Mahlzeit in Indien und wir hören uns selber immer wieder stöhnen. Inzwischen ist uns klar: so viel teurer als in Deutschland ist das hier alles gar nicht, es kommt uns nur wegen der Umrechnung in Australische Dollar und unserer langen Zeit im günstigen Asien so verdammt teuer vor. Die Menschen hier sind nett, offenherzig und vor allem tolerant. Alle sprechen endlich wieder verständliches Englisch und wir wundern uns warum wir nicht permanent angeglotzt und angetatscht werden. Als Weiße unter vornehmlich Weißen fallen wir offensichtlich nicht ganz so stark auf und uns hat dankbarer Weise noch niemand gefragt ob er, oder sie, ein Foto von uns machen kann. Mal schauen wann wir das vermissen. Zudem sind vor allem die Damen hier meist recht knapp bekleidet und allen Herren der Schöpfung die jetzt denken: “toll, da will ich hin” müssen wir sagen, fahrt besser nach Russland…Hier tragen alle Frauen knapp, egal ob sie die Figur dazu haben oder nicht. Es gibt also viel zu sehen und dabei auch vieles das man lieber nicht hätte sehen wollen. Aber es fühlt sich dennoch gut an, da wir endlich wieder sein können wie wir sind. Chrissy hat sich gleich in ein Schulter freies Outfit geworfen.
Neben der Stadt mit all ihren spannenden Ecken und Winkeln, den vielen modernen Gebäuden und der Menschenvielfalt, hat Perth natürlich noch einen weiteren Vorteil: die Nähe zum Meer. Es gibt so viele Strände, dass man jeden Tag zu einem anderen fahren kann und sie alle bieten wundervollen, feinen Sand, klares Wasser das in vielen Blauschattierungen daherkommt und Wellen die das Kind im Manne jubilieren lassen (Roland besitzt natürlich bereits ein Bodyboard).
Im Hostel treffen wir Holger, ein Deutscher, wie könnte es anders sein. Es scheinen sowieso nur Deutsche und Franzosen im Hostel zu wohnen und der ein oder die andere scheint auch wirklich schon länger dort zu hausen. Holger begleitet uns noch eine Weile ehe er weiter zieht und wir feiern gemeinsam Weihnachten und auch Silvester. Das freut uns, denn so ganz alleine wäre es doch etwas einsam geworden. Auch in der Stadtbibliothek wimmelt es von Deutschen und anderen Reisenden, da es dort kostenlosen Internetzugang gibt und das in wirklich netter Atmosphäre. Auch für uns wird die Bib zu einem zweiten Zuhause und wir verbringen an manchen Tagen mehr Zeit dort als uns lieb ist. Schon nach wenigen Tagen haben wir ein Zimmer gefunden, in einer WG, bis Ende Januar. Das kommt uns zum Einen günstiger als das Hostel und zum anderen ist es nett mal wieder einen festen Wohnsitz zu haben und wir genießen auch das in vollen Zügen. Unser Zimmer in der WG ist, sagen wir mal, simpel. Wir begnügen uns mit einem Bett und, naja, sonst eben nix.
Aber es ist ein bisschen mehr Zuhause als es jedes Hostel hätte sein können und wir haben eine wirklich nette Mitbewohnerin. Später sollten noch zwei weitere sehr nette Menschen dazu stoßen. Der Gedanke in Perth zu bleiben gefällt uns und so investieren wir fleißig und versuchen Jobs zu finden. Das artet in ganz schöne Arbeit aus, macht aber, zumindest eine Weile, richtig Spaß und wir sind guter Dinge. Die Schwierigkeit: unser Visum erlaubt uns nur ein halbes Jahr für einen Arbeitgeber tätig zu sein und so ist es nicht ganz leicht etwas zu finden das unseren Vorstellungen entspricht und bei dem wir gleichzeitig auf Kurzzeit genommen werden. Wir sind also mal wieder anspruchsvoll. Früchte pflücken, kellnern oder putzen können wir durchaus auch, wollen aber lieber versuchen in den Bereichen Informatik und Soziale Arbeit zu bleiben. Versuchen schadet ja nicht, wenn’s nicht klappt reisen wir weiter, oder pflücken halt doch ein paar Orangen. So verbringen wir unsere Zeit bisher vorrangig damit mit Englischen Begriffen zu jonglieren und hoffen, dass unsere Bewerbungen in etwa dem Standard entsprechen. Drückt uns die Daumen.
Liebe Grüße
Roland und Chrissy
oder
Chrissy und Roland
(wir konnten uns einfach nicht einigen
)
P.S. Inzwischen haben wir sogar ein Auto gekauft, einen Van. Getauft haben wir ihn, aus offensichtlichen Gründen, Rusty.
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