Yangshuo
Chrissy August 30th, 2009
Ein Touristenort freilich wie könnte es auch anders sein, aber beschaulich. Ein wenig größer als Aachen. mit ca. 300.000 Einwohnern, dann doch endlich mal eine chinesische Kleinstadt. Hier finden sich weniger chinesische und dafür mehr ausländische Touristen. Das freut uns sehr und wir genießen es mal wieder mit anderen Reisenden gemeinsam etwas zu unternehmen. Yangshuo überzeugt durch vielfältiges Angebot vor traumhafter Kulisse. Die Berglandschaft rundherum ist schwer faszinierend. Viele kleine Berge, sehr spitz meist und fast vollkommen grün bewachsen. Darunter findet sich so manche irre Felsformation. Ein Berg z.B. hat die Form eines Torrundbogens und ist hier sehr bekannt. Wir haben lange nicht alle Unternehmungen die hier so angeboten werden wahr genommen, doch so manches Highlight war dabei.
Wir sind mit dem Bus von Guilin nach Yangshuo gefahren. Ein Hostel war gebucht und die Beschreibungen über den Ort klangen toll. Als wir dann am Busbahnhof ankamen wurden wir sogleich von einem Haufen Leute umringt die uns alle einen Platz zum Schlafen andrehen wollten. Der bei dem wir das Hostel gebucht hatten war ebenfalls darunter wie sich herausstellte. Also los. Das Hostel hatte seinen Charme, direkt an den Berg gebaut, in einer Nebenstraße gelegen, eine verwinkelte Treppe hinauf, Zimmer über mehrere Etagen, eine Dachterrasse, eine kleine natürliche Höhle im Fels als kühle Sitzgelegenheit. Wir waren zufrieden. Dann gingen die Angebote los. Was man nicht alles machen könne in der Umgebung. Und natürlich machte er uns Freundschaftspreise. Wir kamen schnell dahinter, dass diese nicht wirklich Preise für Freunde sind. Daher haben nachdem wir zwei Angebote bei ihm genutzt und uns parallel über Preise erkundigt hatten, aufgehört seine Angebote wahr zu nehmen. Die Zimmer waren ausnehmend günstig, dafür allerdings auch nicht grade luxuriös. Doch wir brauchen wirklich nicht mehr als ein Bett und Platz für unsere Sachen. So sind wir dann einige Tage dort geblieben und es war o.k. Es war sehr spannend sich mit den anderen Gästen im Hostel zu unterhalten. So haben wir z.B. festgestellt, dass jeder einen anderen Zimmerpreis bezahlt hat. Wir den Besten, da wir über das Internet gebucht haben. Ein anderer wollte ein Bett in einem Dorm haben. Die seien ausgebucht ließ der nette Hostelbesitzer verlauten und bot ihm zu einem “günstigen Preis” ein anderes Zimmer an. Das kostete halt mehr als doppelt so viel wie das Dorm es getan hätte. Und ach ja, im 8er Dorm lagen wir zu dieser Zeit: alleine! Der Franzose war wirklich erfreut das zu hören. So gehen die Geschichten weiter und auch wir wurden von ihm gehörig über den Tisch gezogen bei den zwei Angeboten. Aber nun war es passiert und es hilft nicht sich zu ärgern. Außerdem hat’s Spaß gemacht und war für deutsche Verhältnisse immer noch günstig.
Am Morgen des zweiten Tages sind wir früh los und mit einem Bambusboot (in Wahrheit glaube ich aus Plastik, aber das Flair war dennoch da) den Fluss rauf und wieder runter. Zu der Zeit war es noch schön kühl und wenig los und wir haben uns chinesisches Frühstück (Nudelsuppe mit Fleisch und Gemüse) mit aufs Boot genommen. Hat mir sehr gefallen und war sehr entspannend.
Am darauffolgenden Morgen sind wir zum Klettern. Die steile Felswand rauf. Mit Seilen professionell gesichert. Das hat Spaß gemacht, war aber aufgrund der gleißenden Sonne später recht anstrengend. Und wir haben davon auch noch zwei Tage Muskelkater in den Unterarmen gehabt. Unser Kletterlehrer an diesem Tag war ein junger, drahtiger Chinese, der einen Heiden Spaß daran hatte den Ausländern beim Klettern zuzuschauen (aber wir haben uns glaub ich gar nicht so dumm angestellt) und er selber ist flink wie eine Spinne und scheint jede Felswand problemlos heraufzukommen. Nette Leute da mit denen es ne Menge Spaß gemacht hat, trotz überhöhtem Preis.
Später haben wir uns, nach langem Suchen und zähen Verhandlungen ein Motorrad für zwei Tage geliehen und sind auf eigene Faust los. Das war eine gute Entscheidung. So konnten wir mal abseits der Wege umherziehen. Eigentlich hatten wir geplant irgendwo zu zelten aber wir waren leider erfolglos bei der Suche nach einem angemessenen Zeltplatz. So sind wir abends doch wieder im Hostel eingekehrt und am nächsten Tag von dort aus wieder los. Die Landschaft dort ist traumhaft, kleine Dörfer zwischen den Bergen. Eine lange gewundene Straße am Berg entlang. Flüsse und Seen. Und vor allem: keine Touristen und kaum jemand unterwegs. Das war das China nach dem wir uns gesehnt haben und die Motorradtour damit ein voller Erfolg. Geblieben davon, neben der Erinnerung an die tolle Aussicht und das schöne Gefühl auf Weltreise zu sein: ein schmerzender Hintern vom stundenlangen Fahren und ein Sonnenbrand der sich gewaschen hat.
In Yangshuo gibt es zudem eine Menge Höhlen die man besichtigen kann. Die bekannteste erstreckt sich über mehrere Kilometer und man betritt sie mit einem Boot. Man muss sich ganz tief runter beugen um sich bei der Einfahrt den Kopf nicht zu stoßen und dann geht es in Schlangenlinien durch die Tropfsteinkulisse bis zu einem Anlegesteg. Von dort zu Fuß weiter über Bretterbrücken und in den Fels gehauene Stufen. Das Highlight neben der Möglichkeit stundenlang dort herumzuwandern: ein Schlammbecken in dem man baden kann, sowie eine heiße Quelle mit natürlichen Badebecken. Wer mich länger kennt weiß, dass ich nicht nur als Kind gerne im Schlamm gespielt habe. Ich bin also voll auf meine Kosten gekommen. Man kann den schlammbedeckten Fels herunterrutschen und landet im Matsch. Man kann auf dem Matsch herum dümpeln, denn auf dem zähflüssigen Zeug schwimmt man ja oben. Ich höre so manche/manchen zuhause stöhnen vor Erleichterung da nicht hinein gemusst zu haben. Ich fand’s klasse. Danach kurz abgeduscht und ein paar Meter weiter gegangen gab’s dann Entspannung in der heißen Quelle. Super! Und das alles vor der Kulisse einer großen Tropfsteinhöhle und mit dem Wissen unter einem Berg zu sein. Zudem tat die Kühle in der Höhle nach all der Sommerhitze sehr gut. Wir hätten auch noch eine Stunde wandern können bis zu einem sog. Swimmingpool an einer an deren Stelle der Höhle (wir vermuten ein See im Inneren), aber das passte leider nicht in unseren Zeitplan.
Ein weiteres Highlight war der Besuch einer Lichtshow auf einem See in Yangshuo, die vor allem durch die Mannstarke Besetzung von 500 Personen beeindruckt hat. Hat mir sehr gefallen und besonders schön fand ich, dass wir gemeinsam mit anderen aus dem Hostel unterwegs waren, ein nettes Pärchen aus den USA, das seit einiger Zeit auf Bali lebt. Die werden wir bestimmt wieder sehen entweder schon in China um gemeinsam nach Tibet zu reisen, oder eben auf Bali oder später in den USA.
Später haben wir dann doch noch für eine Nacht ins International Youth Hostel gewechselt und zum krönenden Abschluss unseres Aufenthaltes hat Roland mal probiert wie denn frittierter Frosch so schmeckt. Das kann er Euch dann aber selber berichten.
Von Yangshuo ging es dann wieder zurück nach Guilin um von dort weiter zu ziehen. Mit dem Bus, zwei Stunden Fahrt und schon waren wir wieder in einer großen Stadt. Kurze Verwirrung auf unserer Seite, ob wir denn auch richtig sind, da der Name der Stadt mal Guilin geschrieben wird und mal Gui Lin.
Wir saßen auf unseren Rucksäcken am Rand der Hauptstraße, in der Nähe vom Bahnhof und haben erst mal überlegt wie es denn weiter geht. Eine junge Chinesin kam auf dem Fahrrad vorbei, hielt an und hat gefragt: “Hello, can I talk to you? I would like to practice my English.” Das hatte Charme, denn es war eine der wenigen Gelegenheiten bei denen uns ein Chinese nix verkaufen wollte. Und tatsächlich, sie wollte wirklich nur ein bißchen mit uns reden und war eine große Hilfe, denn sie hat uns dann noch zum Bahnhof begleitet um Zugtickets zu kaufen und uns den nächsten ATM gezeigt. Das ist die Art von Begegnung die ich in China manchmal vermisst habe. Leider sind wir wenig in Kontakt mit Chinesen gekommen, da sie entweder kein Englisch konnten (und wir halt kein Chinesisch), nur schüchtern aus der Ferne geschaut haben, uns nur etwas verkaufen wollten, oder eben einfach kein Interesse hatten. Zum Abschluß hat sie uns noch in ein Taxi verfrachtet und dem Fahrer verklickert wo es hingehen soll. Wir haben dann im Hostel eingecheckt und den Tag mehr oder weniger sinnfrei an uns vorbeiziehen lassen.
Guilin hat seinen Charme, besonders gut fand ich den großen Fluß der sich durch die Stadt schlängelt. Wir haben das auch gleich genutzt und uns ins kühle Naß geworfen. Danach ein bißchen am Ufer ferumgelegen und gedöst und sind dann was Essen gegangen. Das war’s dann auch eigentlich schon für den Tag in Gulilin.
Mit dem Zug ging es weiter, wie auch sonst? Das Verkehrsnetz und die Preise in China machen es leicht von A nach B zu kommen. Allerdings waren wir wohl dieses Mal zu spät dran, oder unser Zielort Kunming einfach zu beliebt, auf jeden Fall war der Zug bereits mehr als voll. So blieb uns dann nix anderes übrig als Hard Seat zu buchen. Der Hard Seat verdient seinen Namen durchaus und ist da ganz wörtlich zu nehmen. Normalerweise würde mich auch das nicht stören und ich muß vorweg sagen, dass es eine tolle Erfahrung war, aber demnächst lieber auf kürzeren Streckenabschnitten. Denn die Fahrt dauerte 18 Stunden. Es war heiß, voll und unbequem. Dennoch wollte ich die Erfahrung nicht missen zu reisen wie der Druchschnittschinese. Und da ich noch lebe war’s im Nachhinein wohl halb so schlimm.
Zudem ist es die günstigste Variante und unser Budget hat es uns gedankt.
In Kunming wieder in ein International Youth Hostel. Wir sind inzwischen Mitglieder bei der Internationaloen-Youthhostel-Vereinigung, was uns Rabatte einbringt wenn wir in die entsprechenden Hostel einchecken. Das hat sich bereits gelohnt und wir sind immer sicher einen gewissen Standard vorzufinden. In dem Hostel gibt es auch ein Tibet-Office, das sogar vom Lonley Planet empfohlen wird. Dort haben wir uns dann noch mal erkundigt über Preise und Möglichkeiten der Ein- und Ausreise. Leider war das Angebot weiterhin zu teuer, zumindest zu teuer für uns.