Archive for August, 2009

Yangshuo

Chrissy August 30th, 2009

Ein Touristenort freilich wie könnte es auch anders sein, aber beschaulich. Ein wenig größer als Aachen. mit ca. 300.000 Einwohnern, dann doch endlich mal eine chinesische Kleinstadt. Hier finden sich weniger chinesische und dafür mehr ausländische Touristen. Das freut uns sehr und wir genießen es mal wieder mit anderen Reisenden gemeinsam etwas zu unternehmen. Yangshuo überzeugt durch vielfältiges Angebot vor traumhafter Kulisse. Die Berglandschaft rundherum ist schwer faszinierend. Viele kleine Berge, sehr spitz meist und fast vollkommen grün bewachsen. Darunter findet sich so manche irre Felsformation. Ein Berg z.B. hat die Form eines Torrundbogens und ist hier sehr bekannt. Wir haben lange nicht alle Unternehmungen die hier so angeboten werden wahr genommen, doch so manches Highlight war dabei.

Wir sind mit dem Bus von Guilin nach Yangshuo gefahren. Ein Hostel war gebucht und die Beschreibungen über den Ort klangen toll. Als wir dann am Busbahnhof ankamen wurden wir sogleich von einem Haufen Leute umringt die uns alle einen Platz zum Schlafen andrehen wollten. Der bei dem wir das Hostel gebucht hatten war ebenfalls darunter wie sich herausstellte. Also los. Das Hostel hatte seinen Charme, direkt an den Berg gebaut, in einer Nebenstraße gelegen, eine verwinkelte Treppe hinauf, Zimmer über mehrere Etagen, eine Dachterrasse, eine kleine natürliche Höhle im Fels als kühle Sitzgelegenheit. Wir waren zufrieden. Dann gingen die Angebote los. Was man nicht alles machen könne in der Umgebung. Und natürlich machte er uns Freundschaftspreise. Wir kamen schnell dahinter, dass diese nicht wirklich Preise für Freunde sind. Daher haben nachdem wir zwei Angebote bei ihm genutzt und uns parallel über Preise erkundigt hatten, aufgehört seine Angebote wahr zu nehmen. Die Zimmer waren ausnehmend günstig, dafür allerdings auch nicht grade luxuriös. Doch wir brauchen wirklich nicht mehr als ein Bett und Platz für unsere Sachen. So sind wir dann einige Tage dort geblieben und es war o.k. Es war sehr spannend sich mit den anderen Gästen im Hostel zu unterhalten. So haben wir z.B. festgestellt, dass jeder einen anderen Zimmerpreis bezahlt hat. Wir den Besten, da wir über das Internet gebucht haben. Ein anderer wollte ein Bett in einem Dorm haben. Die seien ausgebucht ließ der nette Hostelbesitzer verlauten und bot ihm zu einem “günstigen Preis” ein anderes Zimmer an. Das kostete halt mehr als doppelt so viel wie das Dorm es getan hätte. Und ach ja, im 8er Dorm lagen wir zu dieser Zeit: alleine! Der Franzose war wirklich erfreut das zu hören. So gehen die Geschichten weiter und auch wir wurden von ihm gehörig über den Tisch gezogen bei den zwei Angeboten. Aber nun war es passiert und es hilft nicht sich zu ärgern. Außerdem hat’s Spaß gemacht und war für deutsche Verhältnisse immer noch günstig.

Am Morgen des zweiten Tages sind wir früh los und mit einem Bambusboot (in Wahrheit glaube ich aus Plastik, aber das Flair war dennoch da) den Fluss rauf und wieder runter. Zu der Zeit war es noch schön kühl und wenig los und wir haben uns chinesisches Frühstück (Nudelsuppe mit Fleisch und Gemüse) mit aufs Boot genommen. Hat mir sehr gefallen und war sehr entspannend.

Am darauffolgenden Morgen sind wir zum Klettern. Die steile Felswand rauf. Mit Seilen professionell gesichert. Das hat Spaß gemacht, war aber aufgrund der gleißenden Sonne später recht anstrengend. Und wir haben davon auch noch zwei Tage Muskelkater in den Unterarmen gehabt. Unser Kletterlehrer an diesem Tag war ein junger, drahtiger Chinese, der einen Heiden Spaß daran hatte den Ausländern beim Klettern zuzuschauen (aber wir haben uns glaub ich gar nicht so dumm angestellt) und er selber ist flink wie eine Spinne und scheint jede Felswand problemlos heraufzukommen. Nette Leute da mit denen es ne Menge Spaß gemacht hat, trotz überhöhtem Preis.

Später haben wir uns, nach langem Suchen und zähen Verhandlungen ein Motorrad für zwei Tage geliehen und sind auf eigene Faust los. Das war eine gute Entscheidung. So konnten wir mal abseits der Wege umherziehen. Eigentlich hatten wir geplant irgendwo zu zelten aber wir waren leider erfolglos bei der Suche nach einem angemessenen Zeltplatz. So sind wir abends doch wieder im Hostel eingekehrt und am nächsten Tag von dort aus wieder los. Die Landschaft dort ist traumhaft, kleine Dörfer zwischen den Bergen. Eine lange gewundene Straße am Berg entlang. Flüsse und Seen. Und vor allem: keine Touristen und kaum jemand unterwegs. Das war das China nach dem wir uns gesehnt haben und die Motorradtour damit ein voller Erfolg. Geblieben davon, neben der Erinnerung an die tolle Aussicht und das schöne Gefühl auf Weltreise zu sein: ein schmerzender Hintern vom stundenlangen Fahren und ein Sonnenbrand der sich gewaschen hat.

In Yangshuo gibt es zudem eine Menge Höhlen die man besichtigen kann. Die bekannteste erstreckt sich über mehrere Kilometer und man betritt sie mit einem Boot. Man muss sich ganz tief runter beugen um sich bei der Einfahrt den Kopf nicht zu stoßen und dann geht es in Schlangenlinien durch die Tropfsteinkulisse bis zu einem Anlegesteg. Von dort zu Fuß weiter über Bretterbrücken und in den Fels gehauene Stufen. Das Highlight neben der Möglichkeit stundenlang dort herumzuwandern: ein Schlammbecken in dem man baden kann, sowie eine heiße Quelle mit natürlichen Badebecken. Wer mich länger kennt weiß, dass ich nicht nur als Kind gerne im Schlamm gespielt habe. Ich bin also voll auf meine Kosten gekommen. Man kann den schlammbedeckten Fels herunterrutschen und landet im Matsch. Man kann auf dem Matsch herum dümpeln, denn auf dem zähflüssigen Zeug schwimmt man ja oben. Ich höre so manche/manchen zuhause stöhnen vor Erleichterung da nicht hinein gemusst zu haben. Ich fand’s klasse. Danach kurz abgeduscht und ein paar Meter weiter gegangen gab’s dann Entspannung in der heißen Quelle. Super! Und das alles vor der Kulisse einer großen Tropfsteinhöhle und mit dem Wissen unter einem Berg zu sein. Zudem tat die Kühle in der Höhle nach all der Sommerhitze sehr gut. Wir hätten auch noch eine Stunde wandern können bis zu einem sog. Swimmingpool an einer an deren Stelle der Höhle (wir vermuten ein See im Inneren), aber das passte leider nicht in unseren Zeitplan.

Ein weiteres Highlight war der Besuch einer Lichtshow auf einem See in Yangshuo, die vor allem durch die Mannstarke Besetzung von 500 Personen beeindruckt hat. Hat mir sehr gefallen und besonders schön fand ich, dass wir gemeinsam mit anderen aus dem Hostel unterwegs waren, ein nettes Pärchen aus den USA, das seit einiger Zeit auf Bali lebt. Die werden wir bestimmt wieder sehen entweder schon in China um gemeinsam nach Tibet zu reisen, oder eben auf Bali oder später in den USA.

Später haben wir dann doch noch für eine Nacht ins International Youth Hostel gewechselt und zum krönenden Abschluss unseres Aufenthaltes hat Roland mal probiert wie denn frittierter Frosch so schmeckt. Das kann er Euch dann aber selber berichten.

Von Yangshuo ging es dann wieder zurück nach Guilin um von dort weiter zu ziehen. Mit dem Bus, zwei Stunden Fahrt und schon waren wir wieder in einer großen Stadt. Kurze Verwirrung auf unserer Seite, ob wir denn auch richtig sind, da der Name der Stadt mal Guilin geschrieben wird und mal Gui Lin.
Wir saßen auf unseren Rucksäcken am Rand der Hauptstraße, in der Nähe vom Bahnhof und haben erst mal überlegt wie es denn weiter geht. Eine junge Chinesin kam auf dem Fahrrad vorbei, hielt an und hat gefragt: “Hello, can I talk to you? I would like to practice my English.” Das hatte Charme, denn es war eine der wenigen Gelegenheiten bei denen uns ein Chinese nix verkaufen wollte. Und tatsächlich, sie wollte wirklich nur ein bißchen mit uns reden und war eine große Hilfe, denn sie hat uns dann noch zum Bahnhof begleitet um Zugtickets zu kaufen und uns den nächsten ATM gezeigt. Das ist die Art von Begegnung die ich in China manchmal vermisst habe. Leider sind wir wenig in Kontakt mit Chinesen gekommen, da sie entweder kein Englisch konnten (und wir halt kein Chinesisch), nur schüchtern aus der Ferne geschaut haben, uns nur etwas verkaufen wollten, oder eben einfach kein Interesse hatten. Zum Abschluß hat sie uns noch in ein Taxi verfrachtet und dem Fahrer verklickert wo es hingehen soll. Wir haben dann im Hostel eingecheckt und den Tag mehr oder weniger sinnfrei an uns vorbeiziehen lassen.
Guilin hat seinen Charme, besonders gut fand ich den großen Fluß der sich durch die Stadt schlängelt. Wir haben das auch gleich genutzt und uns ins kühle Naß geworfen. Danach ein bißchen am Ufer ferumgelegen und gedöst und sind dann was Essen gegangen. Das war’s dann auch eigentlich schon für den Tag in Gulilin.

Mit dem Zug ging es weiter, wie auch sonst? Das Verkehrsnetz und die Preise in China machen es leicht von A nach B zu kommen. Allerdings waren wir wohl dieses Mal zu spät dran, oder unser Zielort Kunming einfach zu beliebt, auf jeden Fall war der Zug bereits mehr als voll. So blieb uns dann nix anderes übrig als Hard Seat zu buchen. Der Hard Seat verdient seinen Namen durchaus und ist da ganz wörtlich zu nehmen. Normalerweise würde mich auch das nicht stören und ich muß vorweg sagen, dass es eine tolle Erfahrung war, aber demnächst lieber auf kürzeren Streckenabschnitten. Denn die Fahrt dauerte 18 Stunden. Es war heiß, voll und unbequem. Dennoch wollte ich die Erfahrung nicht missen zu reisen wie der Druchschnittschinese. Und da ich noch lebe war’s im Nachhinein wohl halb so schlimm. :-) Zudem ist es die günstigste Variante und unser Budget hat es uns gedankt.

In Kunming wieder in ein International Youth Hostel. Wir sind inzwischen Mitglieder bei der Internationaloen-Youthhostel-Vereinigung, was uns Rabatte einbringt wenn wir in die entsprechenden Hostel einchecken. Das hat sich bereits gelohnt und wir sind immer sicher einen gewissen Standard vorzufinden. In dem Hostel gibt es auch ein Tibet-Office, das sogar vom Lonley Planet empfohlen wird. Dort haben wir uns dann noch mal erkundigt über Preise und Möglichkeiten der Ein- und Ausreise. Leider war das Angebot weiterhin zu teuer, zumindest zu teuer für uns.

Ningbo – Changsha – Guilin

Chrissy August 30th, 2009

Dann folgte der Versuch ein Bahnticket zu bekommen zum nächsten Ort. Wir wollten weiter die Küste runter. Nachdem sich das
aber schwierig und teuer gestaltete, haben wir die Route gecancelt und entschieden gleich Richtung Süd-Westen zu fahren und
uns mal endlich Tibet anzunähern und China bald zu verlassen. Gesagt getan. Nächster Halt Changsha und von da nach Guilin und
weiter nach Yangshuo. Wir wollten endlich mal in ein Örtchen in dem nicht so viel los und mehr Natur zu finden ist. Yangshuo
mit 300.000 Einwohnern erschien uns da ne gute Idee.
Changsha spare ich an dieser Stelle mal aus, da sind wir nur umgestiegen.
Von Changsha nach Guilin ist ein langer Weg, da wir aber hartnäckig los wollten, haben wir die letzten verfügbaren Tickets
genommen: Hart Seat, 8 Stunden über Nacht. Der Zug war voll bis zum Rand. Wir sind mit unseren Taschen kaum in den Wagon
gekommen. Unsere Plätze waren besetzt und so mussten wir erst ein paar Chinesen vertreiben. Die Sitze verdienen ihren Namen!
Keine Klimaanlage, nur ein paar kleine Ventilatoren an der Decke. Es waren 38 Grad draußen und ca.das Doppelte im Zug. Eine
spannende Erfahrung und ich glaube die Chinesen im Zug haben nie zuvor Touristen in dieser Klasse reisen sehen, denn sie
haben noch erstaunter und neugieriger dreingeschaut als sonst. Die Fahrt dauerte dann tatsächlich elf Stunden anstatt acht
und wir sind wie so oft mitten in der Nacht am Zielort eingetrudelt. Das Hotel in Guilin das wir vorgebucht hatten war ein
Desaster: Kakerlaken, Schimmel und irgendwie hatte es einen Rotlicht-Hinterhofcharme. Egal, wir wollten ja nur schlafen und
es war fast egal wo. Am nächsten Morgen dann schnell weiter, nach ganzen 5 Stunden Schlaf waren wir zwar mäßig fit, aber
immer noch guter Dinge.
Ach ja, an dieser Stelle sei erwähnt, dass der Schimmel im Hotel nicht wirklich was Neues für uns war. Denn China hat ein
Schimmelproblem: in fast allen Unterkünften, egal wie nobel oder heruntergekommen sie waren, gab es Schimmel. Egal, den hab ich lieber als Kakerlaken. :-)

Putuo Shan

Chrissy August 30th, 2009

Wie immer war es heiß, doch wir haben uns, ebenfalls wie immer, nicht abhalten lassen und sind los gelatscht. Rucksäcke auf und mal grob in die Richtung in der die Strände liegen sollen. Die Insel ist ja nicht groß, da kann ja nix schief gehen. Ein bisschen ab der Straße haben wir dann einen schönen Wanderweg gefunden, der uns auf einen kleinen Berg geführt hat von dem aus wir die Aussicht genossen haben. Zwischendrin gab’s mal ein Wassereis, wir haben einen Tempel besichtigt und uns wie immer von den Chinesen bestaunen lassen. Bis dahin alles paletti. Aber wo zur Hölle kamen nur schon wieder die ganzen Chinesen her? Zu viele Chinesen unterwegs in China, eindeutig. Und wo blieb nur der Nationalpark für den wir Eintritt gezahlt haben? Egal, weiter. Als wir dann am Strand ankamen, waren wir froh und haben uns wie Bolle gefreut, dass fast nix los war. Ein traumhafter, langer Sandstrand und kaum ein Chinese unterwegs. Uns hätte gleich auffallen sollen, dass an diesem Bild etwas nicht stimmt. Also hingefläzt und nach kurzem Ausruhen das Zelt aufgeschlagen. Roland hat sich dann in die Fluten gestürzt und wurde dabei wie immer bestaunt, von den Chinesen. Und von einem Aufseher, der ihn sogleich aus dem Wasser zitiert hat: schwimmen verboten. Uh. Meine Abkühlung war damit gelaufen und ich habe mir stattdessen einfach eine kleine Flasche Wasser über den qualmenden Kopf geschüttet. Also, was tun? Auf der Karte im Lonely Planet war noch ein anderer Strand eingezeichnet, ganz im Norden der Insel. Also Kompass raus und losgestapft. Der Marsch war lang und anstrengend und wir haben so manchen Umweg genommen bis wir den Weg gefunden haben. Wobei wir bis heute nicht ganz sicher sind wo genau wir auf der Insel gewesen sind und ob es wirklich der richtige Weg war. Ein Strand war mit Militärzelten vollgestellt und damit keine Option. (Nebenbei hat uns die Frage beschäftigt was eine Militärbasis in einem Nationalpark zu suchen hat). Der nächste Strand war total vermüllt und der danach sehr klein, auch dreckig und direkt neben einer Ortschaft. Das Wasser dort sah zudem auch nicht recht einladen aus und somit wollten wir auch da nicht bleiben. Ein bisschen weiter endete dann plötzlich der Weg am Wasser in einer Baustelle. Also wieder zurück. Wir waren ratlos, alles anders als auf der Karte. Zudem wurde es bereits dunkel und das geht in China immer recht schnell und beginnt schon früh: so um 19:30 is es duster. Daher die Entscheidung an den Strand zurück zu kehren von dem wir gestartet waren. Die nächste Schwierigkeit war dann jedoch das Wie. Minibusse fuhren wohl von dem kleinen (nicht recht einladenden) Ort aus zurück Richtung Hafen und damit am Strand vorbei, aber laut einer Einheimischen nicht mehr um diese Zeit. Nachdem jedoch zwei Minibusse aufgetaucht und auch wieder gefahren waren und sie uns angeboten hatte uns für 100yuan dorthin zu fahren, wurde uns klar, dass die Gute uns nur ausnehmen wollte. Der letzte Bus war nun aber tatsächlich schon weg. Das hieß: Nachtwanderung. Naja, wenigstens kühler als am Tag. Wir haben dann versucht per Anhalter zu fahren. Leider ist das hier nicht so Brauch und daher sind die wenigen Autos die kamen an uns vorbei gerauscht. Wir haben aber nicht aufgegeben et voila: ein Auto hat gehalten. Polizisten und so sind wir bei der Polizei als Anhalter mitgefahren.
Dann haben wir noch in einem Restaurant was gegessen. Das Übliche: Süß-Sauer-Fleisch mit Reis und Gemüse. Immer wenn die Leute kein Englisch sprechen bestellen wir das Gleiche, denn da wissen wir, dass es essbar ist. Der Lonely Planet macht’s möglich, denn da stehen einige Übersetzungen drin.
Dann ab an den Strand und im Dunkel heimlich das Zelt aufgebaut, denn wir konnten davon ausgehen, dass das auch nicht erlaubt ist. Chinesen lieben Regeln und haben mehr davon als wir Deutschen. Die meisten sind jedoch nur Empfehlungen (wie ein anderer Reisender mal bemerkt hat), die an die sie sich halten werden hingegen durchgezogen komme was wolle. Mir erscheint es manchmal ein bisschen als seien die Chinesen einfach von Natur aus Spielverderber ;-) . Aber wir waren spät genug dran und das grüne Zelt vor den Pflanzen gut getarnt, sowie die Stelle gut gewählt und so haben wir eine ungestörte Nacht verbracht. Ich habe morgen sogar einen kurzen Blick auf den Sonnenaufgang werfen können bevor ich meinem Erschöpfungsschlaf wieder erlegen bin. Geweckt hat mich dann letztendlich die Sonne, die unerbittlich aufs Zelt gehalten hat und eine Sauna daraus machte.
Ach ja, abends sind wir noch kurz ins Wasser gegangen, war ja keiner da und alles dunkel, scheiß auf die Regeln der Chinesen. Als dann allerdings die Wellen die auf uns zu kamen im Dunkel geglitzert haben und wir nicht sagen konnten welche Art Tier das verursacht, sind wir doch wieder raus. Das sah wahnsinnig toll aus, Leuchtende Wellen, wie Glühwürmchen unter Wasser. Das Ganze war aber gleichzeitig irgendwie unheimlich.
Am Morgen kam dann irgendwann der Aufseher wieder. Das war’s dann. Runter vom Strand, denn, oh Überraschung, zelten verboten. Wir sind dann noch kurz zu dem kleineren Strand an dem schwimmen erlaubt ist. Dafür muss man eigentlich Eintritt zahlen und alles andere kostet auch Geld, inklusive duschen. Aber irgendwie sind wir rein gekommen ohne Eintritt zu zahlen. Der Strand war voller Chinesen, die irgendwie nicht so recht zu wissen schienen was man an einem Strand so tut. Nur wenige trauen sich wirklich ins Wasser und schwimmen. Die Meisten stehen nur mit den Füßen im Wasser und photographieren sich gegenseitig. Das tun die Chinesen eh immer und überall. kein Ort an dem man nicht einen Chinesen sieht der einen anderen vor irgendeinem Hintergrund ablichtet. Also: Chinesen und Fotoapparate – kein Gerücht sondern wirklich wahr.
Wir sind dann etwas genervt abgefahren, das mit dem Campen würde wohl eh nix mehr werden.
Diesmal haben wir den Weg zurück auch sofort gefunden. :-)

Wieder in Ningbo haben wir dann verzweifelt versucht einen Couchsurfer zu erreichen mit dem wir vorher schon gesprochen hatten. Das hat dann aber irgendwie nicht geklappt aus Mangel an funktionierenden Telefonen bzw. schlechten Telefonverbindungen. Dann haben wir verzweifelt ein Internetcafé gesucht um uns ein Hostel zu organisieren. Auch das hat wieder Stunden gedauert und wir waren am Ende unserer Kräfte. Wieder einmal hat sich ein netter Chinese unserer erbarmt und uns geholfen das Hostel zu finden und uns sogar hin gebracht. Das Hostel war nur leider voll ausgebucht. Also weiter die Straße runter zu einem kleinen Hotel. Und wieder einmal dank eines Einheimischen eine luxuriöse Nacht für wenig Geld herausgeschlagen.

Ningbo und der Weg nach Putuo Shan

Chrissy August 30th, 2009

27./28. August: wir sitzen mal wieder länger im Zug, es geht von Guilin nach Kunming, das dauert und so nutze ich die Zeit ein wenig um meine Einträge aufzufrischen.

Ningbo – Partnerstadt Aachen

Ich dachte mir, es wäre nicht verkehrt Aachens Partnerstadt zu besuchen und die Beziehungen eventuell zu nutzen und mal im Aachen-Ningbo-Office anzuklopfen. Es ist bei dieser Idee geblieben, nicht mal den Versuch habe ich letztendlich unternommen. Ningbo ist keine besonders herausragende chinesische Stadt und wir hatten doch langsam die Nase voll von überfüllten Städten und Touristenattraktionen. Daher wollten wir schnell weiter. Hinzu kam eine eher mäßige Couchsurfing-Erfahrung die ich ebenfalls schnell hinter mir lassen wollte und es zog uns endlich gen Süd-Westen.

Von Ningbo aus wollten wir jedoch zuerst noch nach Putuo Shan, einer kleinen Insel nicht weit von Ningbo. Strände gibt’s da und dort leben nur 3000 Menschen, davon ein Drittel Mönche. Zudem ist die gesamte Insel ein Nationalpark, endlich mal wieder zelten… das klang toll und wir sehnten uns nach etwas Ruhe und Entspannung. Ihr werdet es wohl schon erahnen: falsch gedacht. Doch die Reisegeschichte um Putuo Shan beginnt viel früher:

Zwei Reisende auf Umwegen
Frohen Mutes, wie immer, stiefelten wir los. Der Couchsurfer hatte uns geholfen Bustickets zu besorgen. Zum Hafen sollte es gehen und dann mit der Fähre weiter nach Putuo Shan. So funktioniert es auch tatsächlich, zumindest wenn man weiß wie. Naja, auf jeden Fall haben wir zuerst einige unserer Sachen am Busbahnhof eingelagert. Recht unprofessionell sah das Ganze aus, aber wir haben ja weiterhin Vertrauen zu den Chinesen. Ein Handgeschriebener Zettel, durchgerissen, eine Hälfte für uns als Abholbeleg und die andere an die Tüten geklebt und los ging’s. (Wir waren übrigens in Eile, weil uns der Taxifahrer zum falschen Busbahnhof gebracht hatte und wir mit den Rucksäcken erst noch bis da laufen mussten. Unnötig zu erwähnen, dass es fast 40 Grad warm war. Bomben Stimmung also).

Die Busfahrt war ereignislos und dauerte nicht allzu lang. Am Hafen angekommen sprangen einige wenige Mitfahrende aus dem Bus und eilten davon. Da wir nicht recht wussten wie es weiter geht haben wir gefragt. Die Chinesen werden schon wissen wo’s lang geht. Und tatsächlich ein netter junger Mann sagte uns auf Englisch, dass der Bus auf die Fähre fährt und uns nach Putuo Shan bringt, wir wären ganz richtig. Das Vertrauen ungebrochen, bleiben wir brav sitzen. Die Fähre völlig überfüllt. Das war der erste Moment an dem wir uns wunderten. Aber egal, wird schon stimmen, uns kommt ja eigentlich immer wieder vieles komisch vor und stellt sich dann als Richtig heraus. Noch was gegessen und die Aussicht genossen. Dann zurück in den Bus und weiter ging die Fahrt. … und dauerte und dauerte und d… zweiter Moment des Wunderns, denn Putuo Shan ist so klein, dass man sie an einem Tag umlaufen kann. Der Bus hält. Busbahnhof, aha. Wo sind wir? Keine Ahnung. Bleiben wir mal sitzen. Und weiter ging die Fahrt. Und weiter. Und weiter,… ähm. Zu groß diese Insel. Zu viele Menschen, zu wenig Natur für einen Nationalpark und die zu zahlende Eintrittsgebühr für besagten Park blieb auch aus. … Endgültige Erkenntnis: das ist nicht Putuo Shan. Aja. Inzwischen war es Dunkel. Zu unserem Glück waren zwei junge, sehr hilfsbereite Chinesinnen mit uns im Bus, die uns aufklären konnten, dass wir
1. auf der Nachbarinsel gelandet sind
2. keine Fähre mehr nach Putuo Shan fährt
3. hätten umsteigen müssen am Hafen (aha, also doch) und
4. sie keine Ahnung haben was wir denn jetzt tun können

Als wir dann aus dem Bus raus sind, irgendwo, keine Ahnung, alles Dunkel, … hatten die beiden Mädels Mitleid und haben uns mitgenommen und uns mit vereinten Kräften (Tante, Onkel, … alle halfen mit) eine angemessene und möglichst günstige Unterkunft besorgt. Was darin endete, dass wir in einem luxuriösen Hotelzimmer gelandet sind das uns nur 150yuan gekostet hat. Wir haben so lange, so hartnäckig über den Preis gemosert und die Mädels wohl angemessen übersetzt, dass die Damen an der Rezeption das Zimmer für nur ein Drittel des Preises hergegeben haben. So hat es sich doch irgendwie gelohnt. Was für ein Luxus zwischendurch. Eigentlich hatte das Mädel vor uns im Hotel seines Onkels unterzubringen, aber der wollte nicht. Wir haben erfahren, dass Hotelbesitzer Auflagen erfüllen müssen und Papierkram haben wenn sie Ausländer aufnehmen. Daher wollen die Meisten das nicht. Daher ist es auch so schwer an ein günstiges Hotel zu kommen.
Wir haben also eine Nacht sehr komfortabel geschlafen und den Abend nach Langem mal wieder Fernsehen geschaut.
Am nächsten Morgen mit dem Taxi zum Hafen und weiter, endlich nach Putuo Shan.
Dort angekommen mussten wir die zuvor vermisste Eintrittsgebühr zahlen, die ganz nebenbei recht happig ist.

Shanghai Impressionen

Chrissy August 21st, 2009

Irkutsk und Olchon

Chrissy August 21st, 2009

Irkutsk ist nach Jekaterinburg und Novo endlich mal wieder ein Lichtblick entlang der Strecke. Die frühere Goldgräber Stadt versprüht mit alten Holzfachwerkhäusern einen ganz individuellen Charm. Dennoch bleibe ich nur 1,5 Tage in Irkutsk. Danach zieht es mich zu der eigentlichen Attraktion der Gegend, den Baikalsee.

Ich buche ein Busticket nach Khuzir das auf Olchon, einer 70 KM langen und nur wenige KM breiten Insel, im Baikalsee liegt. Auf der Busfahrt lerne ich einige Europäer kennen. Genauergesagt 2 Franzosen, einer dick und einer dünn. Der Dünne läuft überall in Russland Marathon und keiner weiß so genau, was der Dicke macht. Weiterhin lerne ich zwei Engländer kennen die Russisch in Moskau studieren. Sie sorgen ähnlich wie Sarah in Altai dafür, dass wir uns ein wenig mit den Russen verständigen können.

Als wir schließlich in Olchon ankommen trenne ich mich jedoch von der europäischen Gruppe. Alle wollen ein Hostel oder ein Hotel aufsuchen während ich wieder mit meinem Zelt liebäugle. Eine Deutsche, die ich im Hostel in Irkutsk getroffen habe war so nett mir Kartenmaterial und einige Informationen zu Olchon zu geben, wo sie anscheinend eine geschlagene Woche verbracht hat. Ihr persönlicher Favorit war ein kleiner See auf der Insel. Sozusagen also ein See auf einer Insel in einem See in Asien. Da ich es nicht besser weiß, nehme ich mir diese Strecke von knappen 30 KM als erstes vor.

Ich verlasse die sandigen Straßen des kleinen Dörfchens Khuzir (das übrigens auch sehr charmant ist) in Richtung Südosten und das erste was ich vorfinde, ist die Mülldeponie. Alles Mögliche, von Sperrmüll bis hin zu Plastikresten, liegt einige hundert Meter entlang des Weges. Danach wird es idyllischer mit weiten Steppen und einer Hügellandschaft. Einen der Hügel erklimme ich um die teilweise waldige, teilweise felsige und teilweise steppige Landschaft von Olchon zu bewundern. Schließlich gehe ich noch weiter durch ein Waldstück und nach einigen Stunden straffen Marsches habe ich den See erreicht. Mich haut er leider im Gegensatz zu der erwähnten Deutschen nicht um. Die Pfütze, die sich meinen Augen bietet, kann nur erreicht werden in dem man zunächst fast knietief durch den Schlamm watet. Ist man dann endlich an dem See angekommen nimmt man seine braune Farbe wahr und versucht schnellstmöglich wieder Abstand zugewinnen. Da es schon spät ist, lasse ich mich dennoch in der Nähe des Wasserloches nieder.

Am nächsten Tag wander ich weiter bis zur Ostküste von Olchon. Auf dem Weg dorthin ist nichts als Wald bzw. abgebrannter Wald. Als ich schließlich an der Ostküste ankomme stoße ich auf einige russische Camper die mir wild entgegen jubeln. Sie bieten mir an ihr Zelt bei ihnen aufzuschlagen was ich dankend annehme. Danach helfe ich ihnen dabei Fisch, den sie offensichtlich täglich fangen, auszunehmen und natürlich auch dabei, selbigen zu essen.

Am späten Nachmittag sausen die beiden Engländer die ich im Bus getroffen habe auf Fahrrädern an mir vorbei. Ich gehe zu ihnen und bring sie mit zu den Russen (natürlich mit dem Hintergedanken der Übersetzung durch die Engländer). Die Russen freuen sich unheimlich über die neuen Gäste die ein wenig Russisch sprechen können. Jeder von uns kriegt ein T-Shirt geschenkt. Ein T-Shirt allein ist natürlich nicht genug, weswegen die Russen alle T-Shirts wieder einsammeln, auf einen Baum stecken und mit Schrotflinten darauf ballern. Danach dürfen wir auch nochmal auf die T-Shirts ballern und am Ende erhalten wir die nun wie ein Sieb durchlöcherten T-Shirts zurück. Wir, die Engländer und ich, fragen uns indessen, was dieser Schwachsinn eigentlich sollte. Man muss wohl nicht auf alles eine Antwort haben…

Am Abend genießen wir alle zusammen noch die Banja. Kaum zu glauben aber wahr, die Russen haben ein paar lange Holzbretter mit Planen bespannt und würfelförmig aufgebaut. In dem Würfel befindet sich ein Steinhaufen den sie über Stunden durch ein Feuer erhitzen. Am Abend, nach dem Fischen, begeben sich dann alle in den Würfel und Wasser wird auf dem heißen Stein verdampft. Das ganze erzeugt genug Hitze und genug Wasserdampf für eine Sauna. Das ist Camping bei dem sich sogar die Holländer noch eine Scheibe abschneiden können.

Ich fühle mich so wohl bei den Russen, dass ich gleich zwei Tage in dem Camp bleibe. Am vorletzten Tag fühle ich mich kränklich und sie fahren mich zurück ins Dorf. Dort verbringe ich noch eine Nacht und fahre am nächsten Morgen zurück nach Irkutsk.

Shanghai

roland.ellerweg August 15th, 2009

Wir beziehen ein nettes Hostel das den Charme hat, dass es ruhig und abgelegen am Ende einer Nebenstraße liegt und einen Innehof besitzt. Es ist heiß in Shanghai, mit hoher Luftfeuchtigkeit und ich schwitze. Die Klimaanlage im Zimmer macht daher auch was her. Wir nerven den Rezeptionisten damit, dass wir ständig um einen Tag verlängern anstatt gleich zu sagen wie lange wir bleiben, was darin endet, dass wir bei jeder verlängerung den Raum wechseln müssen. Trotz Übernachtung in einem Dorm, haben wir keinen Kontakt zu den anderen Gästen, leider ist das hier recht unkommunikativ. Es ist sowieso schade, dass wir diesmal keinen Couchsurfer haben. Besonders in Shanghai wäre das von Vorteil gewesen. So ist es dann halt wieder der Lonley Planet der uns durch die Straßen führt. Ich bin beeindruckt von der Stadt und auch Roland ist gefesselt. Hier vereinen sich chinesischer, europäischer und amerikanischer Lebensstil und bilden eine faszinierende Symbiose. Mit mehr Wolkenkratzern als New York überzeugt die Skyline entlang des Kanals besonders bei Nacht. Dabei wirkt sie jedoch recht chaotisch, da jedes Bauwerk einen ganz eigenen, besonderen und meist futuristischen Stil aufweist. Bunt blinkende Lichter der Fähren und Boote auf dem Wasser wetteifern mit leuchtenden Gebäuden. Traumhaft. Einziger Wehmutstropfen: aufgrund der Expo 2010, ist die Stadt eine riesengroße Baustelle und so konnten wir nicht den Pier entlangschlendern um diese Aussicht angemessen zu genießen. Dennoch haben wir ein schönes plätzchen mit Aussicht gefunden nachdem wir uns durch Unmengen Chinesen (zu fuß und per Auto) und Baustellenlabyrinthe gekämpft hatten.

Wir waren in der Urban planning exhibition hall, in der beeindruckende Modelle der Stadt, virtuelle Stadtansichten, Expobaupläne und alte Bilder Shanghais zu sehen sind. Eine faszinierende Ausstellung die sich lohnt.

Außerdem waren wir in einem Drei-D-Kino. Das war teuer, aber toll. Ein schöner animierter Film: Up. An diesem Abend hat uns jedoch etwas ganz anderes beeindruckt. Das Kino liegt in einer teuren Gegend, upperclass. Läden für Aston Martin, Gucci und Co., eindeutig nicht unsere Preisklasse. Wir wollten aber noch was essen bevor der Film los geht. Also sind wir zwei Straßen weiter gelaufen, in der Hoffnung, dass wir dort ne günstigere Variante finden. Et voila: kleine Nebenstraßen für den Ottonormalbürger. Ein Essen in einer Familienspelunke für 36yuan. Günstig, lecker und familiäre Atmosphäre, echtes China. Toll. Natürlich ist der deutsche Reinlichkeitsstandard ein anderer, aber das Essen wird ja heiß gekocht und es war wirklich super lecker. Die Tatsache, dass sich die Guccitragende reiche Chinesin direkt neben der armen, im Jogginganzug servierenden Chinesin findet, hat Charme. Und so ist es immer wieder, weshalb wir sehr gerne die Nebenstraßen erkunden, man findet immer ein Juwel mit dem man nicht gerechnet hat.

Gestern waren wir im Shanghai Zoo, der auch beeindruckt, vor allem durch seine Artenvielfalt: Tiger, Löwe, Panda, Nilpferd, Affe, Eisbär, Giraffe und Co. alle waren sie vertreten und man kann einige Stunden Zeit damit zubringen alle zu besuchen. Das Gelände ist riesig und eine kleine Kirmes integriert. Es gibt kleine Teiche und Seen, Brücken, Wiesen und Pflanzenvielfalt.Allerdings fand ich die Unterbringung der Tiere teilweise nicht angemessen und sie schauen auch oft recht traurig drein. Das Wasser der Gehege war oft dreckig und die Chinesen bewerfen Tiere gerne mit Essen oder Müll. Ich sage das so scharf, weil ich entsetzt war, speziell bei den Bären und den Affen. Überall steht “bitte nicht füttern” und dennoch schmeißen die Chinesen alles mögliche Essbare in die Gehege. Das geht so weit, dass sowohl die Bären, als auch die Affen betteln. Schlimmer aber noch: damit sich der blöde Bär auch umdreht damit man ihn richtig begutachten kann eignen sich Plastikflaschen, wenn man denn trifft. Puh, ich bin fast geplatzt vor Wut. Manchmal ist das Verhalten der Chinesen echt daneben. An Scheiben klopfen, Tiere anschreien und wie gesagt bewerfen. Manche Tiere haben sich garnicht bewegt, ein Gorilla hat gekotzt, die Straußen haben sich selbst gerupft und die Affen halten die Hände bettelnd aus dem Käfig um etwas zu Essen zu ergattern. Tiere in Gefangenschaft ist so schon nicht der Hit, aber das war ein sehr trauriger und schockierender Anblick.

Danach sind wir in ein vom Lonley Planet empfohlenes Künstlerviertel. Ich bin jetzt noch ganz begeistert und traurig, dass der Akku der Kamera leer war. Ich hätte tausende Fotos schießen können. Wir sind zuerst dran vorbei gelaufen, da es sich wie immer um einen Geheimtipp handelt, der in Nebenstraßen verborgen liegt. Ein Gewirr aus kleinen Straßen mit Unmengen kleiner Läden, Gallerien und Cafes. Alle ganz individuell gestaltet, abends nett beleuchtet. Traumhaft und ich bin sicher, dass Moni, Lea, Edith und so manch anderer ebenso begeistert gewesen wäre wie ich. Was für ein Flair. Nach dem stundenlangen Marsch durch den Zoo und aufgrund der Zeit und der Tatsache, dass die Metro um 23Uhr dicht macht, ist es leider nur bei einem Coktail und ein bißchen Schlendern geblieben. Ich denke aber, dass ich dort einen ganzen Tag zubringen könnte.

Es klingt irgendwie als hätten wir in den drei Tagen hier nicht viel gemacht, aber in China sind die Wege irgendwie weiter. Zwei Sightseeingpunkte pro Tag ist schon ne Menge und wir sind richtig laufstark. So geht mein Muskelkater übrigens auch nicht weg :-) . Shanghai ist riesig und wir haben wohl nur einen kleinen Ausschnitt zu Gesicht bekommen in unserer Zeit hier. Morgen geht es schon weiter nach Ningbo, der aachener Partnerstadt und wenn es möglich ist, wollen wir den Besuch dort zum arbeiten nutzen. Ich würde gerne mehr über Soziale Arbeit in China erfahren. Ich habe mir zwar schon einiges angelesen, aber ein Besuch bei einer Uni, oder in einem Betrieb wäre schon toll. Da es in Ningbo ein Aachen-China-Büro gibt, werde ich da mal einfach rein schneien und sehen ob die mir weiterhelfen können. Von da gehts dann weiter nach Putuoshan, einer kleinen Insel nicht weit von Ningbo. Dort solls Strände geben und viele Tempel. 1000 der 3000 Einwohner sind Mönche und man kann in wenigen Stunden die Insel umwandern. Einen Berg mit 1000 Stufen zum besteigen gibt es auch und wir hoffen auf einen Campingspot. Mal sehen. So, das war’s dann vorerst.
Ach ja, leider kann ich derzeit keine Videos hochladen (Fotos kommen noch), denn Youtube ist in China gesperrt. Also muss ich warten bis wir im nächsten Land sind. Tjaja, auch das ist China.

Novosibirsk und Altai

roland.ellerweg August 15th, 2009

In Nowosibirsk erlebe ich eine Stadt, im Aufbruch. Der Couchsurfer bei dem ich unterkomme, sein Name ist Oleg, plant mit seiner Freundin eine zeitlich unbegrenzte Asienreise, auf der er mit Straßenmusik (Gesang, Flöte, Gitarre) seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte. Ein Freund von ihm möchte sein Glück mit einer eigenen IT Firma in Moskau versuchen. Ein weiterer will eine Art „Schamane“ werden und in der Wildnis leben. Keines der Gesichter die ich treffe ist von Novosibirsk in irgendeiner Art und Weise überzeugt. Angesichts des kommunistischen Einheitsbreis mit dem die Stadt voll gestopft ist, kann man die Fluchtgedanken der jungen Russen auch gut verstehen.

Kein Grund also lange im tristen „Novo“ zu verweilen. Oleg und seine Freunde sind, wie ich, begeisterte Camper und gemeinsam beschließen wir, ins Altai-Gebirge zu fahren welches etwa 600 KM weiter südlich von Novosibirsk liegt. Die Russen haben schon ein wenig Erfahrung im Altai-Gebirge und empfehlen den Ort Chibit (ausgesprochen hört sich das ganze wie Tibet an was zu einigen Verwirrungen führt). Über die Fahrt nach Chibit herrscht jedoch Uneinigkeit. Einige wollen trampen. Andere haben noch etwas mit der Arbeit zu erledigen und können somit erst später folgen. Da die Probleme nicht beseitigt werden können wird schließlich ein Treffpunkt in Chibit gewählt den die Leute dann grüppchenweise ansteuern.

Meine „Gruppe“ besteht aus einer weiteren Deutschen Namens Sarah die Oleg durch, wie soll es auch anders sein, Couchsurfing kennt. Sarah studiert in Tomsk Russisch. Da sie aus Tomsk anreist und Novosibirsk einen Umweg für sie darstellen würde, beschließen wir telefonisch uns auf halben Weg nach Altai in einer Stadt namens Bisk zu treffen. Da wir beide Bisk noch nicht kennen wollen wir dort auch noch eine Nacht verbringen um dann von dort aus ins Altai Gebirge zu trampen.

Nach dem geklärt ist wie und wann wir nach Altai fahren gehen Oleg und ich Nahrungsmittel und das Busticket nach Bisk kaufen. Am nächsten Tag bricht Oleg dann schon in der Früh auf um mit der ersten Tramp-Etappe zu beginnen. Ich begebe mich einige Stunden später zum Busbahnhof wo der Bus nach Bisk bereits auf mich wartet.

Auf der Fahrt schlafe ich die meiste Zeit. In Bisk angekommen habe ich ein wenig Wartezeit da Sarahs Bus später als meiner ankommt. An einem Stand kaufe ich mir eine Art Pfannkuchen mit Hackfleischfüllung. Das Zeug gibt es überall in Russland und eigentlich kriege ich mittlerweile schon Würgreize wenn ich nur daran denke, aber es ist (wiedermal) das einzige was gerade in der Nähe ist. Nach meinem „Festmahl“, kommt Sarah mit ihrem Bus an.

Sarah hat uns über Hospitality Club, ein ähnliches Portal wie Couchsurfing, eine Übernachtungsgelegenheit in Bisk organisiert. Unsere Gastgeber, drei junge Russen behandeln uns wie die Könige. Nach dem sie uns vom Busbahnhof abgeholt haben, fahren wir gemeinsam zu der Oma der Russen. Dort wird uns ein Festmahl bestehend aus verschiedenem Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Brot serviert. Wir sind zwar beide eigentlich satt, Essen aber anstandshalber dennoch so gut wir können. Danach quatschen Sarah und die Russen ein wenig. Später erklärt mir Sarah, dass die Oma sich für das spärliche Mahl entschuldigt hat. Offensichtlich denken die Russen wir Europäer hätten einen sehr exzessiven Lebensstandard.

Nach dem Festmahl fahren wir zu unseren drei Gastgebern um dort die Banja, sozusagen die Russische Sauna, zu genießen. Neben dem normalen Saunen wie wir es kennen, werden in der Banja Ruten aus Birkenzweigen erhitzt und dann genutzt um sich gegenseitig „zu verdreschen“. Ein irres Gefühl und jeder der nach Russland kommt sollte diese Form der Sauna unbedingt einmal Genießen.

Nach dem ich mit zwei Jungs und Sarah mit einem Mädel die Banja besucht haben, fallen wir gegen 2 Uhr in der Früh in die Betten. Am nächsten Morgen geht’s um 6 Uhr schon wieder raus und wir werden zu einer Straße Richtung Altai-Gebirge gebracht, wo wir mit dem Trampen beginnen. Sarah erklärt mir dabei, dass die Russen die flache Hand zum Trampen benutzen. Der Daumen, wie wir ihn kennen signalisiert, dass Geld verlangt werden kann was wir natürlich nicht wollen. Nach einigen Minuten gelangweiltem an der Straße stehen hält der erste Russe an und nimmt uns ein Stück des Weges mit…

Als wir schließlich, nach ca. 5-6 mal per Anhalter fahren, in Chibit ankommen ist es bereits dunkel und wir sehen den vereinbarten Treffpunkt, der etwas abseits der Straße an einem Fluss liegen soll, nicht mehr. Oleg hat zwar auf einer Karte alles eingezeichnet, aber weder unsere ortskundigen Fahrer noch wir können irgendetwas in der Dunkelheit entdecken. Schließlich entscheiden wir uns mal nachzufragen. Wir halten an einer Brücke, steigen aus und gehen zu einer Art Wohncontainer. Der Wohncontainer wird von einem russischen Brückenbauer bewohnt den wir einerseits fragen ob Camper vorbeigekommen sind und andererseits ob er mit der Karte etwas anfangen kann. Zu beidem kommt keine wirklich zufriedenstellende Antwort. Unsere Fahrer machen sich indes auf den Weg um ihre Ladung abzuliefern, versprechen uns aber noch mal wieder zu kommen um nach unseren Freunden zu suchen. Wir gesellen uns also zu dem Brückenbauer und genießen eine warme Tasse Tee (was gut tut da es in Strömen regnet).

Mit dem Brückenbauer beginnt das übliche Blabla. Wer seid ihr? Wo kommt ihr her? Etc. Dann zeigt er noch einige der Brücken an denen er mitgewirkt hat und schließlich sind die Gesprächsthemen erloschen. Wir richten den Blick auf die Mattscheibe die während unserer Konversation die ganze Zeit lief und beobachten wie in einem Film russische Soldaten die deutschen Nazis nacheinander abmurksen. Da fühlt man sich doch gleich heimisch. Nach einigen Minuten kommt einer der Fahrer wieder. Wir steigen ein und fahren mit der Suche nach unseren Kollegen fort.

Nach einigen Telefonaten die immer wieder durch den in Altai kaum existierenden Empfang unterbrochen werden, finden wir unsere russischen Campinggefährten. Wir bauen schnell das Zelt auf, gesellen uns noch kurz zu dem Lagerfeuer und springen schließlich in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Tag regnet es fast ununterbrochen. In den wenigen Momenten, in denen es nicht regnet, erkunden wir ein wenig die Gegend bzw. stürzen uns brüllend in den eiskalten Fluss (ich vermute ja es handelt sich um Gletscherwasser). Abends am Lagerfeuer erzählen wir uns gegenseitig Witze was sich sehr kompliziert gestaltet, da immer wieder zwischen Deutsch, Russisch und Englisch hin und her übersetzt wird. Manchmal geht durch die Übersetzungen die Po ente völlig flöten aber es lachen trotzdem alle. Eine sehr lustige Truppe mit der ich da losgezogen bin.

Die beiden folgenden Tage sind ebenfalls verregnet, sodass am dritten Tag eine Debatte übers dableiben entfacht. Einige, darunter ich, wollen wieder zurück nach Novosibirsk, andere wollen dem Regen trotzen und den Berg erklimmen. Nach einigem hin und her steht dann schließlich fest, dass alle den Berg erklimmen wollen und nur ich nach „Hause“ fahre. Auch wenn die Gruppe lustig ist habe ich leider keine andere Wahl, da mein Zugticket bereits gebucht ist.

Es folgt die Planung der Rückreise. Ich habe mich dazu entschlossen, genau dieselben Verkehrsmittel zu verwenden mit denen ich auch nach Altai gefahren bin. Konkret heißt das also trampen bis nach Bisk und von dort aus mit dem Bus nach Novosibirsk. Leider habe ich immer noch keine Russischkenntnisse um das Trampen zu realisieren. Wir setzen uns zusammen und schreiben einige russische Sätze auf wie etwa, „Richtung Novosibirsk?“ oder „wie teuer?“. Dazu kommt noch ein bisschen was für die Konversation mit dem Fahrer – „Ich komme aus Deutschland“. Nachdem alles Wichtige aufgeschrieben ist verabschiede ich mich von den Leuten und begebe mich mit dem Zettel gerüstet zur Straße.

An der Straße gucke ich zu wie die Pfützen sich füllen. Das ist das einzig Spannende was passiert. Alle fünf Minuten wird die Langeweile gebrochen, da ein Auto vorbei kommt. Allerdings schauen alle nur verdutzt wie ich begossen wie ein Pudel am Straßenrand stehe. Vielleicht wäre es doch besser gewesen den Bus zu nehmen. Schließlich kommt ein großer Truck um die Ecke, vergleichbar mit den Ami Trucks mit einem Auspuff Links und einen Auspuff Rechts von der Fahrerkabine. Sarah hatte auf der Hinfahrt immer gehofft dass so einer mal hält. Ich weiche schon zurück aus Angst nassgespritzt zu werden, halte aber dennoch meine Hand raus. Gerade als er mich passiert hat fängt der Truck an zu bremsen und kommt einige Meter hinter mir zum stehen. Ich laufe voll Freude hin, öffne die Tür und ein Trucker mit schimmernden goldenen Zähnen guckt mich an. Ich frage, ob er mich bis Novo oder bis Bisk mitnehmen kann. Der Trucker willigt ein und ich steige ein. Dank Sprachblockade beginnt die schweigsame Fahrt…

Die Fahrt ist dennoch atemberaubend. Mit dem Truck durch die 50er Jahre Alpenlandschaft von Altai zu fahren gibt noch mal einen extra Flair. Zudem hält der Fahrer hin und wieder mal an um mich die Aussicht genießen zu lassen, oder um mich auf einen Kaffee einzuladen. Im Gegenzug lade ich ihn aufs Mittagessen ein wobei ich mich mit dem Zahlen beeilen muss da er schon Geldscheine zückt. Als wir aus den Bergen rauskommen nehmen wir nochmal zwei Mädels mit die auf mich eher wie Bordsteinschwalben wirken. Ich hoffe nicht, dass er mich auch noch auf sowas einladen möchte… Kurz vor Bisk lässt er mich dann an einem Feldweg raus.

Da es bereits dunkel ist beschließe ich mein Zelt aufzustellen. Ich gehe ein Stück in das Feld rein, baue alles auf und lege mich dann schlafen. Am nächsten Morgen stelle ich mich wieder an die Straße um das letzte Stück nach Bisk zu bewältigen. Ich stehe einige Minuten. Auf dem Grundstück der gegenüberliegenden Straßenseite das ich dank einer Baumreihe nicht einsehen kann, lässt ein Trucker seinen Truck an. Ich hoffe natürlich darauf, dass der Typ von gestern wieder vorbei rauscht, aber soviel Glück kann man wohl nicht haben. Der Truck setzt sich, zumindest den Geräuschen nach zu urteilen, in Bewegung. Ich beobachte die eine Lücke in der Baumreihe und tatsächlich kommt der Truck von gestern hervor. Der Fahrer sieht mich, hält und nimmt mich das letzte Stück bis nach Bisk mit.

Auf dem letzten Stück schien der Fahrer meine Weiterfahrt organisieren zu wollen. Zumindest hing er immer am Funkgerät und ab und zu habe ich Novosibirsk verstanden. Leider schien keiner seiner Kollegen dorthin zu fahren. Am Busbahnhof in Bisk lässt er mich schließlich raus, ich kaufe mir ein Ticket und am Abend bin ich endlich wieder in der Betonlandschaft Novosibirsk.

Tianjin und Tài’an

Chrissy August 11th, 2009

Wir sind nach einigen Tagen Beijing dann doch der Stadt überdrüssig und wollen wieder weiter. Nicht, dass es nicht noch genug zu sehen gäbe, aber eine Woche an einem Ort ist genug, dann schlägt das Reisefieber wieder zu. Also sind wir für 30yuan von Beijing nach Tianjin gefahren. Drei Stunden Busfahrt oder auch vier, keine Ahnung mehr. In Tianjin angekommen haben wir per Taxi das einzige Hostel angesteuert das es gab und uns dort im Mehrbettdorm einquartiert. Die Überraschung: Männlein und Weiblein waren gesondert untergebracht. Naja, dann halt mal ne Nacht getrennt. Ich fand’s doof, aber nicht schlimm. Das Hostel war langweilig, die Stadt auch und so sind wir nach einer Nacht schnell weiter gezogen. Das einzig Interessante war die Freßstraße die wir abends besucht haben, dort konnte man eine Menge lebendes Getier aussuchen, das dann kurze Zeit später auf dem eigenen Teller landen konnte. Wir haben es dann aber bei einem Essen von der Karte belassen und uns nach dem Essen in Ruhe umgesehen. So konnte mir wenigstens nix in die Augen schauen, das ich vielleicht später essen würde. :-)
Zudem lustig waren die vielen Straßenschilder in der Innenstadt: mit Bildern. Da war so manch spannendes Bild dabei, z.B. ein Autofahrer der mit Stäbchen Zeug aus dem Fenster wirft. Heißt wohl: bitte kein Essen auf die Straße werfen. Habe Fotos von einigen Schildern gemacht, die Qualität ist jedoch schlecht. Meine Kamera ist zum filmen und nicht zum photographieren gedacht, das merkt man dann am Ergebnis.

Der nächste Zielort war dann Tài’an. Hier steht ein heiliger Berg, der Taishan, mit 6.000 Stufen zum Erklimmen. Wir sind also in Tianjin zum Busbahnhof. Mit dem Bus natürlich und zwar für umsonst (wie der Öcher sagen würde). Was nur daran lag, dass wir das System nicht durchschaut hatten. Man wirft das Geld für die Fahrt selber vorne rein. Der Busbahnhof war dann aber wohl der Falsche, wie wir nach vielem hin und her und Fragerei und ratlosen Blicken festgestellt haben. Ein Busfahrer war dann so nett uns bis zu dem Busbahnhof mitzunehmen (oder in die Nähe) zu dem wir eigentlich mussten. Von da ein Taxi für ein kurzes Stück und eigentlich waren wir dann schon fast wieder beim Hostel angelangt. Auch gut, Hauptsache geschafft. Zum Glück hat Joe uns einen seiner Lonley Planets überlassen, der hat uns schon so manches Mal das Leben gerettet. Darin sind die Namen und wichtige Sätze auch in chinesischen Schriftzeichen zu finden. Unerlässlich, vor allem in kleineren Städten. Also ein Ticket gelöst für 105yuan pro Person, festgestellt, dass wir noch mehrere Stunden warten müssen bis es los geht und sind dann erst mal an einer Straßenbude was essen gegangen. Lecker, günstig und ein wenig Zeit war totgeschlagen. Da es in näherer Umgebung jedoch nicht viel zu sehen gab, haben wir es uns dann in der Wartehalle bequem gemacht. Der Busbahnhof hatte am Eingang eine Gepäckkontrolle und es gab eine Art Zoll. Zudem wurden wir zweimal darauf hingewiesen, dass wir doch bitte sitzen und nicht rumliegen sollen. Es gab sogar (für die Chinesen recht ungewöhnlich) einen Raucherraum. Dann um 16Uhr sind wir Richtung Bus und haben wieder mal für Aufruhr gesorgt. Der Busfahrer und sein Begleiter fanden uns spannend und hätten sich gerne mit uns unterhalten, die Sprachbarriere gestaltete das aber recht schwierig und so gaben sie es nach einiger Zeit auf. Um 16:30 ging’s dann los. Während der Fahrt schauten wir uns entsetzt die Landschaft rundherum an und hofften die ganze Zeit, dass es bald schöner werden würde. Viel Ödland, Ölfördertürme, Smog, Unmengen LKWs und Wasserfelder. Das war’s. Die Fahrt dauerte dann auch länger als vermutet und wir kamen um Mitternacht an. Ich war übrigens dankbar als der Busfahrer nach 5 Stunden Fahrt dann endlich mal ne Pinkelpause eingelegt hat. Auch hier hielt der Bus wieder plötzlich an, man hat uns nach vorne gewunken und wir wurden aus dem Bus befördert. Gepäck hinterher, ein kurzer Hinweis, dass der Berg den wir erklimmen wollen nicht weit ist und, dass am Straßenrand Taxen stehen. Danke und Tschüss. Puh. O.k., dann los. Wir völlig fertig nach der langen Fahrt, alles stockdunkel und wiedermal kein Englisch sprechender Mensch weit und breit. Gedankt sei’s dem Lonley Planet, dass wir noch ne Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben. Die für die Stadt angegebenen Hotels alle teuer bis auf eins. Hostels Fehlanzeige, aber das wußten wir ja schon. Also auf den Namen gezeigt, ins Taxi und los. Der Fahrer hielt dann an einem Tempel und teilte uns mit, dass dies der Zielort sei. Alles dunkel, kein Hotel in Sicht. Also haben wir versucht ihm begreiflich zu machen was wir wollen. Und aja, nach vielem Hin und her gings ein Stück weiter und er hat an einem Hotel gehalten. Den Portier wachgerüttelt und wir haben ein Zimmer bekommen. Wir haben noch den Preis ordentlich runtergehandelt und uns schon gewundert, dass das geklappt hat. Grund: Schimmel im Zimmer. Naja, eine Nacht werden wir’s überleben und die ist ja auch nich mehr so lang. Am Tag drauf schnell raus aus der Bude und ab Richtung Berg. Vorher noch zum Bahnhof schon mal Tickets für Shanghai kaufen. Gesagt getan und gleich noch die Hälfte unserer Sachen eingelagert, noch nen Kaffee getrunken, Geld geholt, Verpflegung besorgt und sogar Sprit für den Kocher organisiert. (”und gleich noch” heißt zwei Stunden rumgelatscht und gesucht bis wir alles beisammen hatten). Man gewöhnt sich dran und sieht gleich noch was von der Stadt.
Am Berg angekommen haben wir uns noch ein Wassereis gegönnt. Nach denen sind wir ganz wild in letzter Zeit, ist bei der Hitze immer ne gute Erfrischung und die gibt’s an jeder Ecke. Ekelig allerdings: die Chinesen verkaufen auch ein Erbseneis am Stiel. Roland hat sich mal eins gekauft und dabei wird’s wohl bleiben. Pfui Teufel!

Dann sind wir losgewandert. Haben wieder mal geschwitzt und gelitten und hatten dennoch eine Menge Spaß. Zudem sind wir hier ne riesen Attraktion, Ausländer gibt’s hier kaum. Wir wollten bis zur Mittelstation und dann dort unser Zelt aufschlagen. Nach der Kletteraktion auf der großen Mauer und einer Ansammlung von Schlafmangel in der letzten Zeit, haben wir jedoch schon vor der Mittelstation schlapp gemacht. Das Problem: es führen Treppen den Weg rauf und links und rechts keine Zeltmöglichkeiten. Puh. Also nachdem wir uns noch mühsam etwas weiter geschleppt hatten, haben wir einen kleinen Spot gefunden auf den unser Zelt passte. Natürlich am Wegesrand und damit eine super Attraktion für die unzähligen Chinesen die dort vorbeigehechelt kamen. Es war wie immer: viele Chinesen unterwegs. Es war halt dummerweise Wochenende und zudem ist Ferienzeit in China. Was wir jedoch nicht vermutet haben: auch nachts ist noch eine Menge los und so haben wir kein Auge zugemacht. Laute, grölende Chinesen, die ganze Nacht. Ich war so fertig und ich hatte so Lust den einen oder anderen die Treppe runter zu schubsen. Aber wir haben auch das überlebt und im Nachhinein mit Humor genommen.
Am nächsten Tag dann weiter und es war noch ein Stückchen bis zur Mitte. Wir waren nicht allzu fit nach der Nacht und so haben wir dann doch die Gondel bis oben genommen. Auch schön. Dort haben wir uns in Ruhe umgesehen, noch das ein oder andere Wassereis genossen und haben uns dann wieder an den Abstieg gemacht. Alles in Allem war’s super nur wieder einmal tun mir alle Muskeln furchtbar weh. Nach mindestens 6000 Stufen, z.T. hoch, z.T. runter, sind meine Muskeln ganz schön strapaziert und ich freue mich, dass unser Zimmer im Hotel im Erdgeschoss liegt. Wir sind nämlich jetzt in dem besagten Hotel bei dem Tempel, denn im Licht betrachtet sieht hier alles schon ganz anders aus und so haben wir es doch noch gefunden. Für zwei Nächte für beide zusammen nur 160yuan, also ca. 16Euro, das ist günstig und wir haben sogar ne Dusche. Der Standard mag nicht dem deutschen entsprechen, aber wir sind zufrieden. Dafür haben wir uns dann ein etwas teureres Essen bei KFC gegönnt. Fastfood, auch das muss hin uns wieder sein.

Noch ein Bisschen was über Beijing

Chrissy August 11th, 2009

Völlig verschwitzt, fertig und voller Vorfreude sind wir nach 30 Stunden Zugfahrt in Beijing angekommen. Brüllende Hitze und
im Zug ist nach 20 Stunden Fahrt die Klimaanlage ausgefallen. Schwitzende, zusammengepferchte Leiber und in den Schlafkabinen
Fenster die sich nicht öffnen ließen. Eine Bombenmischung. Wahrscheinlich hat man unsere Ankunft schon von Weitem riechen
können. In unserer Schlafkabine (jeweils für vier Personen) lag ein Israeli und ein russisch-chinesisches, elfjähriges
Mädchen. Beide sehr nette und angenehme Reisebegleiter. Das Mädel reiste allein und war anscheinend recht froh bei uns
Großen Anschluss zu finden. Sie spricht nicht nur Russisch und Chinesisch, sondern auch hervorragend Englisch. Als wir dann
den Bahnhof verließen sahen wir sie jedoch alleine im Getümmel stehen und so haben wir mit ihr auf ihren Vater gewartet. Zum
Dank war dieser dann so nett uns mit dem Auto bis zu unserem Hostel zu bringen. Sehr nett. Seine russische Frau hat uns dann
während der Fahrt mit jeder Menge Infos über Beijing ausgestattet und uns noch ihre Karte gegeben mit dem Angebot, dass wir
jederzeit anrufen und um Hilfe oder eine Sightseeingtour bitten können. Sehr nette Leute. Und nach der langen Zugfahrt haben
wir uns sehr darauf gefreut die Sachen abzulegen, zu duschen und danach ein wenig um den Block zu laufen. Auch wenn man im
Zug ein wenig den Gang rauf und runter latschen kann, sind 30 Stunden doch recht anstrengend und ich kann mir beim besten
Willen nicht vorstellen wie Leute es für vier ganze Tage in der Bahn aushalten.
Das Hostel war super. Es gab Internet, ein Café, einen Billardtisch, eine Playstation, Wäscheservice, gute Betten und nettes
Personal. Das alles für einen guten Preis. Und nachdem wir geduscht waren und unsere Klamotten zum Waschen gegeben hatten,
haben wir uns in näherer Umgebung ein Lokal zum Essen gesucht. Nach einem Monat Mongolei mit vor allem Fleischhaltigen
Gerichten, Gemüsearmut und Fastfood, haben wir uns unheimlich auf chinesisches Essen gefreut. Gemüse, Reis, leicht und
gesund. Das war toll. Zudem hat das Essen wirklich lecker geschmeckt. Verwunderlich jedoch: es schmeckte wie deutsches
chinesisches Essen. Ich bin davon ausgegangen, dass chinesisches Essen in Deutschland dem deutschen Gaumen angepasst ist.
Aber das Hähnchen süß-sauer hätte vom Grill nebenan sein können. Später jedoch haben wir gemerkt, dass es durchaus eine Menge
Gerichte gibt, die in Deutschland wohl weniger zu finden sind. Z.B. Seidenkäferlarven, die kommen mir nicht auf den Teller.
Danach sind wir noch in eine große Einkaufsstraße um die Ecke gegangen und haben uns ein wenig umgesehen. Allerdings war das
dann eher die teurere Touristengegend, denn Gucci und Co. waren vertreten und auch einen C&A haben wir gesehen. Dennoch für
den ersten Eindruck o.k. und wir haben uns dann gemütlich ein Bierchen gegönnt und uns das bunte Treiben angeschaut. Viele
Chinesen in Beijing, egal zu welcher Zeit und egal wo, es sind immer viele Chinesen unterwegs in Beijing. Später haben wir
dann von Joe gehört, dass die Chinesen diese teure Straße meist nur entlang flanieren, denn es geht um sehen und gesehen
werden. Waren also nicht wie vermutet alles reiche Chinesen.

Abends haben wir noch etwas Billard gespielt und auch noch etwas
Autorennen auf der Playse. Roland hat natürlich das Rennen wie immer gewonnen. *schmoll*
Am Tag drauf sind wir dann zu Joe umgezogen, einem sehr netten Couchsurfer. Da haben wir uns eher gefühlt wie Mitbewohner,
hatten sogar einen Haustürschlüssel. Joe ist ein völlig relaxter Ami, der für einige Zeit hier als Englischlehrer gearbeitet
hat und jetzt von dem verdienten Geld noch einen Monat lang eine Akrobatik-Schule besucht. Sämtliche Amis und auch Angehörige
anderer Nationen, die wir treffen sind in der Regel Englischlehrer in China. Sehr lustig, denn es scheint fast keine Englisch
sprechenden Chinesen zu geben. Die Sprachbarriere ist riesig und man kann sich nicht mal damit helfen etwas nachzuschlagen
und es zu sagen, denn ein kleiner Fehler in der Aussprache und man sagt etwas völlig anderes. Hinzu kommen die Schriftzeichen
die sich mir wirklich nicht erschließen. Aber bisher haben wir ja alles Wichtige auch trotz Sprachbarriere regeln können. Was
schon mal etwas ärgert, ist die Tatsache, dass wir oft das Gefühl haben, dass wir über den Tisch gezogen werden. Taxifahrer
verlangen das Dreifache, Speisekarten für Ausländer sind, wenn sie auf Englisch verfasst sind meist teurer, … egal wer und
egal wo, auch wenn ich sagen muss, dass wir oft hilfsbereiten Menschen begegnen, wenn‘s ums Geld geht glauben alle wir hätten, zuviel davon. Schade, das Misstrauen das ich daraus entwickelt habe hemmt mich manchmal.
Am nächsten Morgen sind wir auf die Suche gegangen nach einem Frühstück. Da der Chinese an sich nicht so frühstückt wie wir,
gestaltet sich das etwas schwieriger wenn man sich nicht auskennt. Da wir so Hunger hatten und auch los wollten haben wir
ganz Stilecht bei Mc Donalds gefrühstückt. Schande über unsere Häupter :-) . Aber das ging schnell, war bequem und vor allem
bekannt und direkt vor der Tür. Dann ging‘s los!
Wir haben eine Menge Sightseeing gemacht, wobei das lange nicht alles Sehenswerte war, dafür hätten wir länger bleiben
müssen. So waren wir am größten Platz der Welt (Tiananmen square), in der Great Hall of people, in der verbotenen Kaiserstadt (forbitten city), an der chinesischen Mauer (great Wall), im Sommerpalast und sowieso einfach in Beijing unterwegs. Ich werde hier ganz fit und sportlich und reiße Unmengen Kilometer ab. Farbe habe ich übrigens auch schon bekommen.
Die verbotene Stadt war sehr beeindruckend und eigentlich benötigt man einen vollen Tag um sich wirklich alles anzusehen. Wir
waren auch einige Stunden darin unterwegs, haben uns allerdings die Attraktionen gespart die noch mal extra gekostet haben.
Einziger Störfaktor (wieder mal): Unmengen Chinesen unterwegs. Ein Gerangel, Gedrängel, Geschwitze. Hinzu kommt, dass
Chinesen gerne nebeneinander gehen und das gaaaaannz langsam. Am besten so, dass niemand mehr vorbei kommt. Und wenn sie
einen bemerken, drehen sie sich kurz um, schauen sich die Europäer einen kurzen Moment genau an, nur um dann genauso weiter
zu laufen wie zuvor. Platz machen und Rücksicht nehmen sind unbekannt. Dafür stört sich aber auch kein Chinese dran wenn man
umgekehrt Derjenige ist, der im Weg steht. Nach dem Besuch in der verbotenen Stadt haben wir uns dann abends den Film “Der
letzte Kaiser” angesehen. Da der in der verbotenen Stadt gefilmt wurde und die Lebensgeschichte des letzten Kaiser erzählt,
war das besonders spannend. Die Stadt beeindruckt mit ihren hohen, roten Mauern, den vielen Tempeln mit ihren verzierten
Dächern, den großen freien Plätzen und den vielen alten Figuren, Möbeln und anderen Gegenständen vergangener Tage. Schön!
Wir waren auch noch in einem Park in der Nähe der verbotenen Stadt, in dessen Mitte befindet sich ein Berg von dem aus man
eine schöne Aussicht auf Beijing hat und vor allem auf die verbotene Stadt. Wir fanden es jedoch schade, dass es so diesig
war, so konnten wir nicht besonders weit sehen und es fehlte blauer Himmel als Hintergrund. Später haben wir dann erfahren,
dass es sich keineswegs um diesiges Wetter, sondern tatsächlich um Smog handelt. Puh, ekelig. Als wir ankamen war der Himmel
über Beijing zwar blau, das lag aber wohl daran, so hat man es uns erklärt, dass es vorher zwei Tage lang geregnet hatte.
Ein weiterer Sightseeingpunkt war der Sommerpalast. Die Sommerresidenz der Kaiser. Mit einem traumhaften Park drum herum, einem See mit lauter Bötchen und einer wunderschönen Tempel- bzw. Palastanlage. Auf dem Weg dahin haben wir von der U-Bahnstation aus eine Rikscha genommen und waren das etwas verwundert, dass der Gute gar nicht gestrampelt hat: versteckter Motor. Auf der Rückfahrt haben wir dann wieder eine Rikscha genommen und diesmal hat der arme Kerl wirklich gestrampelt und das, wo es doch fast nur bergauf ging. Puh. Allerdings tat der mir nur so lange Leid bis er mehr Geld von uns wollte als vereinbart. Wir haben für den Hinweg einen Gesamtpreis für die Fahrt ausgehandelt, bestimmt immer noch zu hoch, aber passabel. Bei der Rückfahrt haben wir auch im Vorhinein einen Preis ausgehandelt, nur, damit dieser Idiot am Ende meinte das war doch pro Person. Da wir leider die Preise nie so kennen, verunsichern uns die Leute dann immer (mich auf jeden Fall) und der arme Kerl hat echt gerackert. Daher habe ich mich auf eine 50% Preissteigerung eingelassen und dann sind wir gegangen. Der Typ schien echt angepisst, aber ich sehe es nicht ein mich immer wieder verarschen zu lassen. Sprachbarriere hin oder her, der Preis war klar vereinbart.
Gegen Abend (fragt mich nicht an welchem Abend) sind wir dann noch zu Fuß eine Strecke gelaufen, die im Lonely Planet als
Fahrradstrecke empfohlen wird. Das war wirklich schön. An einem kleinen Fluss entlang in dem Leute geplantscht haben und auf
dem Bötchen schipperten. Rundherum lauter kleine Bars mit Dachterrassen. Ein schönes Treiben. So finden sich hier in den
Nebenstraßen oft wunderschöne Straßenszenen, man muss sich nur trauen die Hauptstraßen mal zu verlassen und man erlebt ein
ganz anderes Peking. Das kann ich nur empfehlen. Zudem lohnt es sich auch mal in Geschäfte zu gehen, die eher den
Einheimischen vorbehalten sind. So haben wir an einem Abend in einem kleinen Lokal gegessen und das Essen war famos.
Allerdings sprach niemand dort Englisch und die Speisekarte war natürlich auch nur in Chinesisch und ohne Bilder (das ist die
andere Variante zu englischen Speisekarten, alles mit Fotos). So haben wir bestellt indem wir anderen Gästen auf den Teller
gestarrt und uns das Beste daraus ausgesucht haben. Es gab Hähnchenspieße, die leckersten bisher und knusprige gut gewürzte
Bratkartoffeln, dazu Muscheln mit Chilis und Reis. Da rundherum keiner Gemüse gegessen hat, war’s halt mal ein ungesundes
Abendessen. Da wir nun schon da saßen, kamen noch andere Touristen an. Zwei Deutsche. Denen haben wir dann unsere Gerichte
auf der Karte übersetzt und sie haben das mit dem Bestellen dann genauso gehandhabt wie wir zuvor und sogar etwas Gemüse
bekommen. Ein schönes Erlebnis, vor allem da die KellnerInnen so bemüht waren uns zu verstehen und sehr glücklich, dass es
geklappt hat. Zudem war der Preis o.k. und alle am Ende glücklich. Wir haben noch einen kleinen Gruß auf einen Postit
geschrieben und an die Wand zu den anderen geklebt und sind dann total vollgestopft von dannen geschlendert. Diese kleinen
Anekdoten sind es, die diese Reise so spannend machen, finde ich. Schön! Zum krönenden Abschluss des Abends haben wir uns
dann eine einstündige Ganzkörpermassage gegönnt. Für ca. 6 Euro pro Person. Die war gut, aber nicht umwerfend. Massiert wird
in Klamotten und die Mädels halten wohl nicht viel von entspannender Ruhe: eine dritte Masseurin kam herein und wollte wissen
wo wir her kommen. Leider konnte sie nicht ein Wort Englisch und hat das „Were are you from?“ wohl von einem anderen Gast vorher gesagt bekommen. Das hatte zur Folge, dass sie unsere Antwort: Germany, natürlich auch nicht verstehen konnte. Das führte zu fünf Minuten voller Verwirrung und regen Diskussionen mit unseren beiden Masseurinnen. Dann klingelte von der einen das Handy zwei Mal und sie ist ran und dann kurz raus gegangen. Aber naja, für den Preis kann man nicht meckern. Zudem haben Rolands männlich behaarte deutsche Beine für Aufregung gesorgt, sowie meine Piercings und meine Tatoos. So war es dann mehr spannend als entspannend, hat sich aber dennoch gelohnt.

Generell haben wir folgende Erfahrungen mit allem rund um den Transport in China gemacht:
Die U-Bahn in Beijing ist dank der olympischen Spiele hervorragend ausgebaut uns auch für uns Ausländer leicht zu
durchschauen. Es gibt gute Streckenpläne und die Orientierung fällt recht leicht. Zudem ist die U-Bahn eine günstige und
bequeme Variante sich in der Stadt zu bewegen. Pro Fahrt und pro Person kostet die gerade mal 2yuan und man kann mit der
Karte innerhalb des U-Bahnsystems so oft umsteigen wie man mag. Erst wenn man die U-Bahn verlässt, verfällt die Karte. Die
Karten kann man recht einfach an Ticketautomaten kaufen und die sind in der Regel auch auf Englisch. Vorsicht aber: keine
Tickets im Voraus kaufen, da diese immer nur ab der Bahnhaltestelle gelten an der man sie gezogen hat und auch nur für den
Tag an dem man sie gekauft hat. Wir hatten nämlich mal sechs gekauft für den Tag um dann festzustellen, dass uns die nix
bringen. Tjaja. In der U-Bahn gibt es Taschenkontrollen, mit Scan. Allerdings scheinen die Angestellten nicht wirklich
interessiert und so haben sie entweder nicht drauf geschaut, oder nicht richtig, denn es war kein Problem das Benzin vom
Kocher immer wieder mit zu nehmen. Teilweise kann man auch einfach am Kontrollpunkt vorbei laufen und die zucken auch nicht
mit der Wimper. Alles wohl noch Überbleibsel der olympische Spiele. Die sind hier übrigens noch großes Thema, auch ein Jahr
später noch. Gestern war Jahrestag und die Nachrichten haben lauter Berichte gezeigt was denn die olympischen Spiele für
China alles zum Positiven Verändert haben. Und meine Güte, das war wohl das Beste was diesem Land je passiert ist
*schmunzel*. Die Übertreiben ein wenig.
Taxifahren ist ebenfalls bequem, aber teurer. Regel Nummer eins: niemals in ein Taxi steigen ohne Taxometer. 2. Nie den Preis
im Vorhinein aushandeln, der wird garantiert höher sein als der Normalpreis. In Beijing beispielsweise fängt der Tacho bei
10yuan (ca. 1Euro) zu zählen an. Was für unsere Verhältnisse natürlich nix ist, dafür fährt ein deutsches Taxis nicht mal los. Und nach zwei bis drei Kilometern kommen dann pro Kilometer noch mal 1,7yuan drauf. So kann man für 15yuan schon ganz schön weit fahren. In Tianjin, weil etwas kleinere Stadt, beginnt der Tacho bei 8yuan und in Tài’an bereits bei 5. Und wir haben das Gefühl, dass die Taxifahrer je kleiner der Ort wird umso ehrlicher werden. Keiner handelt, feilscht, oder fährt
Extrarunden um den Block, sehr angenehm.
Rikschas haben kein Tachometer und der Preis muss ausgehandelt werden. Als Fortbewegungsmittel nicht empfehlenswert, da
langsam, teuer und nur mäßig bequem. Aber um mal Rikscha gefahren zu sein in China, ist es das Geld doch einmal wert.
Bei allen Preisverhandlungen gilt, als Weißer, dass der Einstiegspreis in der Regel beim doppelten bis dreifachen Preis
liegt. Das bedeutet für die Verhandlungen: erst mal tief stapeln und bei einem Drittel anfangen, egal wie dämlich einem das
vorkommt. Der Chinese wird dann lachen, abwinken und so tun als wollten wir ihn verarschen. Das gehört zum Spiel dazu, das
gleiche wird von uns erwartet. Das kann Spaß machen, irritiert anfangs jedoch mehr und wir lernen erst langsam wie man’s
richtig macht. Wobei wir uns oft immer noch nicht sicher sind, ob wir nun wirklich ein Schnäppchen gemacht haben, oder nicht.
Roland hat sich z.B. eine Sonnenbrille gekauft, da die alte verloren gegangen ist. Der Einstiegspreis lautete 120yuan.
Gekauft hat er sie für 40. Ist in jedem Fall besser, ein Einheimischer jedoch mag sie durchaus noch günstiger bekommen. Wir
werden es wohl nie erfahren und so haben wir uns gefreut, dass wir den Kerl so runterhandeln konnten. Um das zu erreichen
waren wir sogar schon wieder aus dem Laden raus und er hat uns zurückgerufen. So kann‘s gehen. :-)

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