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roland.ellerweg February 24th, 2010

Nachdem wir nun 9, bzw. 6 Monate lang unser Geld aus dem Fenster geworfen haben kommt endlich mal wieder Geld in die Kassen. Im westaustralischen Perth haben wir beide Arbeit gefunden. Endlich sind die Einnahmen also mal wieder groesser als die Ausgaben. Aber bevor wir wieder mal mit dem Ende voraus preschen fangen wir doch lieber von vorne an:

Am 16. Dezember 2009 sind wir in Perth angekommen. Das staendige Koffer ein- und auspacken hat uns ziemlich ausgelaugt weswegen wir uns nach einer festen Bleibe gesehnt haben. Diese haben wir denn auch in Rekordzeit (2 oder 3 Tage spaeter) gefunden. Schliesslich sollte zu der Bleibe auch noch ein festes Gehalt hinzukommen. Wir haben Bewerbungen geschrieben, abgesendet, geduldig gewartet und Unmengen Absagen erhalten. Das Ganze ueber eine frustrierend lange Zeit.

Wie es bei Roland war
Anfang/Mitte Januar habe ich dann endlich mal eine Einladung zu einem Vorstellungsgespraech erhalten. Eine Anwaltskanzlei suchte jemanden fuer die Office Administration mit IT Background. Kein Traumjob, aber immerhin. Klein Roland wirft sich also in Schale, kauft Schuhe, Hemd, Hose und Krawatte und macht sich bald auf zum Vorstellungsgespraech. Bevor ein Wort gewechselt wurde gab es erstmal einen Test. Einer der Angestellten drueckt mir Zettel uns Stift in die Hand und fuehrt mich in einen Raum. Er gewaehrt mir 15 Minuten Zeit fuer das doppelseitige DIN A4 Blatt und macht sich dann auch schon wieder rar. Ich schaue auf den Zettel. Als erstes kommt eine English-Grammar Frage, bei der in einem ca. 10 Zeiligen Text 50 Fehler versteckt sein sollen. Gut das ich ein Dictionary auf meinem Handy installiert habe. Ich gab einige Woerter die mir merkwuerdig vorkammen (naja…bin ich mal ehrlich: Sie waren mir voellig fremd) ein und musste feststellen, dass die Rechtschreibung korrekt war. Insgesamt streiche ich vielleicht 10 Sachen an, bin mir aber immer noch nicht sicher, ob ich nicht vielleicht eher noch mehr Fehler in den Text gebaut habe. Ich nehme mir die naechsten Fragen…allesamt Englisch Grammer…allesamt aehnlich erfolgreich fuer mich. Schliesslich stosse ich endlich auf Mathe und freue mich schon ein wenig. Eine Steuerberechnungsaufgabe bei der man die Mehrwertsteuer von einem Produkt berechnen soll. Das ist simple…waere den anstatt des Wortes Mehrwertsteuer der Prozentsatz angegeben… Um’s Kurz zu machen, haette ich mir selber eine Note geben muessen waere es vermutlich eine 7 gewesen. Mathe beim verehrten Herrn Schoedon war ein Klacks gegen diesen Test…

Ich resigniere ein wenig…“lasse ich mich halt noch ein wenig weiter im Vorstellungsgespraech verdreschen und dann ziehe ich ab“, denke ich mir. Das Vorstellungsgespraech ist allerdings relaxter als gedacht. Wir unterhalten uns nett und dem Test wird (Gott sei Dank) wenig Beachtung geschenkt. Ich erfahre, dass man mich eigentlich gar nicht wegen des Office Administration Jobs eingeladen hat, sondern wegen einer zu besetzenden Programmierer Stelle. Die Jungs strengen sich an, telefonieren ein wenig mit anderen Abteilungen um mich unterzubringen, aber am Ende des Tages gehe ich ohne Job nach hause.

Naja…ein Ass hat klein Roland immernoch im Aermel. In Sydney sucht eine schweizerische Grossbank jemanden fuer IT Support. Der Job hoert sich ein bisschen an wie Anwendersupport fuer Betriebssysteme, Netze und natuerlich Anwendungen. Das ganze auf ½ Jahr befristet. Was mich auf die Stelle hoffen liess ist die Tatsache, dass der zukuenftige Angestellte fliessendes Deutsch mitbringen sollte. So viele Australier mit Informatik Diplom und fliessendem Deutsch die ein halbjaehrlich befristete Stelle suchen kann es ja eigentlich nicht geben … dachte ich. Ein paar Wochen spaeter gab man mir jedoch zu verstehen, dass nur Australische Staatsbuerger fuer den Job in Betracht gezogen werden wuerden. Ich bin gespannt ob und wenn sie fuer den Job gefunden haben.

Das die Schweizer Bank noch nicht einmal zum Vorstellungsgespraech geladen hat, hat schon sehr gefrustet und ich hatte die Jobsuche mehr oder weniger damit abgeschrieben. Bei Chrissy sah es auch nicht wirklich gut aus und wir freundeten uns immer mehr mit dem Gedanken an die Koffer zu packen um weiterzuziehen. Schliesslich flattert in meinen Posteingang jedoch eine Email von einer Firma, die vorwiegend Web Development betreibt. Sie hatte mich ueber eine Anzeige, die ich vor ueber einem Monat in einem Portal geschaltet hatte gefunden. Ich werde zu einem Vorstellungsgespraech eingeladen. Ich fahre hin, unterhalte mich nett mit dem Chef, bis er aufsteht und mir einen Test in die Hand drueckt. “bloss kein Grammar, bloss kein Grammar” denke ich. Ich schaue mir den Test an und stelle fest, dass es nur um Informatik und Programmieren geht. Ich lege los und war, glaub ich, auch gar nicht schlecht. Der Chef sagt, dass er sich wohl bis morgen entscheiden wuerde. Noch am selben Tag ruft er an und stellt mich fuer den naechsten Montag ein.

Wie es bei Chrissy war
Roland geht mit grossem Elan an die Arbeitssuche. Ich hingegen bin da etwas fauler, langsamer und zu Anfang auch weniger gestresst. So gingen zuerst weniger Bewerbungen raus als bei Roland und ich habe meine Jobsuche auch anfangs auf Perth beschraenkt. Schnell habe ich festgestellt, dass ich mir einen Job im Bereich Soziale Arbeit abschminken kann. Dazu fehlen mir die Berufserfahrung, die Englischkenntnisse und das Wissen ueber das australische Sozialsystem. Zudem werden Sozialarbeiterinnen wohl nur fuer Langzeit gesucht. O.k., so’n Mist, dann halt nicht. Doch bevor ich putzen, kellnern oder zum Babysitten gehe, solls doch etwas sein, dass wenigstens im weitesten Sinne etwas mit Sozialer Arbeit zu tun hat. Ich moechte unbedingt Einblick erhalten in Soziale Arbeit in Australien und natuerlich auch sehr gerne eine Bescheinigung einsacken, die mir fuer meine Karriere nutzt.
Die naechste Feststellung die ich mache: Australier stehen auf Bescheinigungen und Referenzen und machen mir damit das Leben schwer. Meine Hoffnungen schwinden. So benoetigt man eine Police Clearance (polizeiliches Fuehrungszeugnis), einen Working with Children Check (der sicher stellt, dass ich bisher noch keine Kinder verkauft oder misshandelt habe), fuer die Arbeit im Bereich Altenhilfe ein Age Care Certificate, einen australischen Fuehrerschein und am Besten langjaehrige Berufserfahrung. Pah, ich habe weder noch zu bieten und werde immer frustierter. Referenzen habe ich zwei gute im Petto, meinen Abschluss mach ich in der Bewerbung einfach zu einem Master, da das deutsche Diplom unbekannt ist und ich mein Licht hier mal nicht unter den Scheffel stellen will, Erklaerungen folgen dann wenn ich es ins Vorstellungsgespraech schaffe. Fuer die Police Clearance brauche ich einen Pass, einen Nachweis darueber, dass ich in Australien arbeiten darf und einen Nachweis meiner australischen Adresse. So, da fangen die Schwierigkeiten bereits an: wir haben keinen Mietvertrag und auf den Rechnungen tauchen unsere Namen natuerlich auch nicht auf. Wie also soll ich meine Adresse vorweisen? Nach einigem hin und her wird klar: es reicht auch ein Brief einer offiziellen Stelle an diese Adresse mit meinem Namen drauf. O.k., wir wollten eh ein Konto eroeffnen, Unser potentielles Gehalt muss ja auch irgendwo hin. Ich gehe zur Bank und eroeffne ein Konto, dabei scheint es niemanden zu interessieren ob meine Angaben stimmen. Mit dem Brief von der Bank der meine Kontoeroeffnung bestaetigt habe ich zumindest das Adressenproblem geloest. Leider haben wir ein elektronisches Visum, also nix im Pass. Ich freue mich ueber meine Nix-wird-weggeworfen-Mentalitaet und drucke die Mail mit der Visabestaetigung aus. Um auf Nummer sicher zu gehen und da dies eh noetign ist, beantrage ich erst noch einen australsichen Fuehrerschein, mit dem ist dann die Police Clearance kein Problem mehr. Das alles kostet natuerlich Geld und um erhlich zu sein glaube ich, dass das in Wahrheit der einzige Grund fuer dieses Zertifikatgewirr ist. 70 Dollar fuer den Fuehrerschein, 50 fuer die Police Clearance und inzwischen habe ich auch einen 50 Dollar Working with Children Check beantragt. Die Australier spinnen, das ganze System mit Anmeldungen, Abmeldungen, Ummeldungen, Zertifikaten, Bescheinigungen, Paessen und und und ist einfach nur Mist und es scheint nicht wirklich Narrensicher. Aber es bringt dem Staat ne Menge Geld das der dann wieder veplempern kann. Hinzu kommt, dass in den verschiedenen Staaten Australiens auch wieder andere Regeln herrschen und so scheint mein neuer australischer Fuhererschein nur in West Australien gueltig zu sein und fuer die spaetere Reise benoetige ich somit (theoretisch) einen anderen. So ein Quark.

Nach einger Zeit, vielen Absagen oder langer Funkstille, spiele ich mit dem Gedanken doch putzen zu gehen, dass hat naemlich Steph unsere Mitbewohnerin gemacht und 20 Dollar die Stunde bekommen. Ich lasse mir, bevor sie abreist, die Kontaktdaten der Vermittlungsfirma geben. Frust! Lucys Mum ist auch Sozialarbeiterin und gibt mir, ueber Lucy, den Tipp es in den Krankenhaeusern zu versuchen. Was ein Tipp, denn einen Besuch in einem Krankenhaus spaeter und ich habe eine Einladung zu einem Vorstellungsgespraech. Gott sei Dank! Eine moegliche Stelle als Pflege Assistenz. Nicht mein Traumjob, aber egal. Das faellt auch noch irgendwie unter sozial, gibt Geld und die Arbeit in einem Krankenhaus ist bestimmt spannend und ne Sozialarbeitrin gibt’s dort bestimmt auch der ich vielleicht mal ueber die Schulter schauen kann. Nach langer Bewerberei also doch ein Erfolgserlebnis, oder um genau zu sein gleich zwei. Hat sich die erste Zeit doch wirklich niemand gemeldet, flattern mir auf einmal gleich zwei Angebote ins Haus. Ich bin gluecklich und zur gleichen Zeit eindeutig damit ueberfordert eine schnelle Wahl zu treffen. Dazu muss ich sagen, dass ich selber schuld bin, denn das Angebot fuer eine Pflege Assistenz in einem Altenheim gleich um die Ecke unserer neuen Wohnung (das Krankenhaus ist bei der alten Wohnung) ist bereits Ende Januar per Email gekommen. Allerdings ist diese Mail straight in meinem Spamordner gelandet und ich habe sie nur durch Zufall dort gefunden, natuerlich erst im Februar und natuerlich erst nachdem ich die Einladung zum Vorstellungesgespraech hatte. So, was nun? Ich habe mich bei beiden vorgestellt und ganz ehrlich gesagt, dass ich noch ein oder zwei Tage benoetige um mich zu entscheiden. Beide haben Verstaendis gezeigt und mir die Bedenkzeit gegeben. Sehr nett! Also habe ich einige Tage das jeweilige Fuer und Wider abgewogen und mich letztendlich fuer die Stelle im Krankenhaus entschieden. Der Grund ein ganz einfacher: mehr Stunden, mehr Geld, mehr Moeglichkeiten, groessere Einrichtung. Dafuer ist jedoch der Weg weiter und mich haette die Arbeit in dem auf Demenzpatienten spezialisierten Altenheimdoch schon sehr interessiert. Egal, die Entscheidung ist gefallen und ich freue mich sehr, dass ich auch endlich einen Job habe. Ende Februar gibt’s eine Schulung und dann geht’s im Maerz endlich los. Bis dahin geniesse ich die Freizeit, Unabhaengigkeit und Ruhe.

Seit dem wir wieder ueber ein regelmaessiges Einkommen verfuegen hauen wir ordentlich auf den Putz. Wir sind umgezogen, da wir aus der alten Wohnung ohnehin raus mussten. Nun teilen wir uns mit 3 Englaendern ein Haus mit Blick auf den Swan River (wo uebrigens demnaechst das Red Bull Air Racing statt findet). Neben der Aussicht haben wir zudem einen Pool, einen Tennisplatz, einen Basketballkorb und einen hyperaktiven Hund.

Auch Rusty unser Van faehrt weiterhin froehlich umher. Mehr und mehr mausert er sich zum Campinggefaehrt mit dem wir spaeter noch den Rest von Australiens erkunden werden. Allerdings mussten wir nach einigen laengeren Touren feststellen, dass der Vorteil von Rusty (Gasbetrieben) gar kein wirklicher Vorteil ist, denn wenn er auf Gas faehrt schluckt er gleich 20 Liter. Seit dieser erkenntnis nennen wir unseren Rusty auch „durstigen Rusty“. Seis drum…Gas kostet hier um die 60 australische Cent. Das sind etwa 40 Euro Cent. Soll er unseretwegen doch 40 Liter schlucken…

Wie man vielleicht zwischen den Zeilen gelesen hat: es geht uns gut und wir werden wohl noch ein kleines Weilchen hier bleiben. Wenn alles so bleibt wie bisher sind wir die kommenden sechs Monate weiterhin in Perth zu finden. Wer also ein Stueck Australien entdecken moechte ist herzlich eingeladen uns hier zu besuchen.

Cheers M…

Roland und Chrissy

Perth – und so gings weiter

Chrissy February 8th, 2010

Als erstes ein Sorry: SORRY! Das lange Schweigen sei hiermit beendet und es folgen in Kürze weitere Berichte zu unserer Zeit in Perth. Es ist so eine Art Alltag eingekehrt und wir haben vor lauter Arbeitsuche und Co. gar keine Zeit und Muße gehabt zu schreiben. Wir haben Euch daheim jedoch keineswegs vergessen. Daher nun die allmähliche Aktualisierung. (Fotos gibt’s sobald wir wieder Internetanschluss in der Wohnung haben, denn in der Bib können wir leider keine Fotos hochladen) Fangen wir also erst mal vorne an…

Oh Du fröhliche… oh Du sonnige… Weihnachtszeit am Strand
Da das Hostel uns sehr teuer zu stehen kam und Perth uns auf Anhieb sehr gut gefallen hat, haben wir bereits am zweiten Tag damit begonnen uns eine andere Unterkunft zu suchen. Das Glück war uns hold und so sind wir bereits nach drei Nächten im Hostel in ein schickes kleines Häuschen gezogen. Ein kleines Zimmer, nicht mehr als ein Bett, jedoch viel Platz, Privatsphäre und ein um einiges kleinerer Preis. Unsere Mitbewohnerin/Vermieterin heißt Lucy und ist eine sehr nette, australische Studentin bei der wir uns sehr wohl fühlen. Bezahlt wird wöchentlich und bleiben können wir bis spätestens zum Ende der ersten Februar Woche. Dieser Deal war perfekt für beide Seiten, denn wir wussten ja noch gar nicht wie es denn weiter gehen würde. Weihnachten und Silvester hatten wir dann Sturmfrei und haben das auch gleich angemessen genutzt. Wobei Weihnachten eher ruhig vorbeigezogen ist. Holger, unsere Bekanntschaft aus dem Hostel, hat uns an Heilig Abend und auch noch einige Tage zuvor und danach, Gesellschaft geleistet in unserem neuen Heim. Da Lucy bei Verwandten war und das dritte Zimmer noch leer stand, haben wir ihn einfach mit einquartiert und so konnte auch er ein paar Pennies sparen. Zudem war es nett nicht ganz alleine zu sein. So gab es dann Weihnachten mal anders. Ein Strandbesuch am Nachmittag mit einer Flasche Sekt zur Feier des Tages (wir wissen inzwischen, dass trinken in der Öffentlichkeit verboten ist) und später grillen im Garten mit Känguru-Steak als Hauptgang. Danach Bier und Spieleabend bis wir alle dem fetten Essen, dem Bier und der späten Stunde zum Opfer gefallen sind. Ein schöner Abend, besonders abgerundet durch drei Skypetelefonate in die Heimat, so hat jeder von uns seine Liebsten sehen und hören können und wir sind danach glücklich in Bett gefallen.

Frohes Neues – Silvester in Perth
Holger erwarete Besuch von 4 deutschen Freunden die ebenfalls derzeit in Australien rumtouren. Wir haben auch sie kurzerhand hier einquartiert, zack war die Bude voll. Mit dieser Truppe haben wir dann auch Silvester verbracht. Auch hier wieder: grillen, aber diesmal ohne Känguru. Es gab viel Bier, nette Unterhaltungen, ein unglaublisch Schluckreiches Trinkspiel und im Anschluss einen Betrunkenenmarsch in die Innenstadt. Das dauert unter normalen Umständen eine halbe Stunde, wir haben eine volle stunde benötigt, hatten dafür aber auch ne riesen Gaudi. In Perth angekommen haben wir uns ins Getümmel gestürzt. Allerdings fiel uns nach kurzer Trockenperiode auf, dass niemand, wirklich niemand, auf der Straße ein Bier in der Hand hat. Sekt gab’s auch keinen, nix. Dennoch schienen viele betrunken. Sie hatten es wohl genauso gemacht wie wir. Wir allerdings waren bald definitiv schon wieder zu nüchtern. Da die Bars und Kneipen jedoch unsagbar voll waren, ist es dann auch dabei geblieben. Kurz vor Mitternacht sind wir dann auf den Platz mit der Leinwand gestürzt und haben gemeinsam mit einem sehr multi kulturellen Haufen drumherum lauthals runter gezählt. 3, 2, 1,”Happy new year!” Ein kurzes “Yeah” aus der Menge, einige Umarmungen und zack: alle gingen heim. Wir standen völlig perplex auf der schon bald fast leeren Wiese und haben uns gewundert wo denn Feuerwerk, Sektkorkenknallen und Co. blieben. Nix! Die sind einfach alle nach hause gegangen. Das war mal die langweiligste Silvestersause meines Lebens. Besonders interessant jedoch war dann der Zeitungsartikel am kommenden morgen: die meisten Verhaftungen in der Silvesternacht gab’s in Perth. Mehr noch als in Sydney. Und wir sagen Euch was, wir wissen genau warum! Die haben einfach jeden eingesackt der dumm aus der Wäsche geschaut hat. Darum war auch nix los! Oder wir waren im falschen Stadtteil. Wobei wir das bezweifeln.

Und sonst?
Bei Lucy sind wir bald auch mental an- und damit zur Ruhe gekommen. Es ist schön wieder an einem fixen Punkt zu leben und sich nicht andauernd neu orientieren zu müssen. Zudem gefällt Chrissy die Küche sehr gut, sie kocht fleissig und freut sich immer drüber. Die beste Vorraussetzung für uns um langsam wieder fetter zu werden :-) . Es gibt sogar Internet, auch wenn es eigentlich das vom Nachbarn ist (schelmisches Grinsen an dieser Stelle). Leider hat dieser Nachbar bald gemerkt, dass jemand über sein WLan surft und uns den Hahn abgedreht. Wir hoffen, dass er nicht per Download zahlt, denn dann war die Rechnung bestimmt ein erhellndes Erlebnis. (oops) Unsere Tage bestehen vornehmlich aus Besuchen in der Stadtbibliothek, denn dort gibt es kostenlosen Internetzugang. Das macht die Bib natürlich zu einem sehr beliebten Angelpunkt für Backpacker und wir nennen es inzwischen Klein Deutschland, da die Meisten Deutsch zu sprechen scheinen. Das ist dann immer wieder sehr befremdlich und vor allem nach so langer Zeit ungewohnt und wir müssen uns dringend abgewöhnen unreflektierte Kommentare über Anwesende Personen vom Stapel zu lassen, da die Chance groß ist, dass uns jemand versteht. Umgekehrt ist eben das dann schon mal recht lustig, denn das vergessen andere Landsleute auch ganz gerne mal :-) . Inzwischen kennt uns sogar das Bibliothekspersonal und wir werden regelmäßig gefragt wie es denn mit der Jobsuche so läuft. Chrissy ist übrigens auch wieder voll und ganz in der Zivilisation angekommen und hat bereits die dritte Haarfarbe aufm Kopf. Sie waren blond, lila und nu sind se dunkelbraun. Roland hat den Rasierer wiederentdeckt und sich für Vorstellungsgespärche ne Anzughose und passende Schuhe gekauft. Das sind wir alles gar nicht mehr gewöhnt.

Unser Rusty
Die Jobsuche schleppte sich so dahin und so haben wir uns mit der Möglichkeit auseinander gesetzt doch frühzeitig weiter zu ziehen, auch wenn wir gerne ein halbes Jahr hier bleiben wollten. Daher haben wir etwas Geld in die Hand genommen und uns ein Auto gekauft. Getauft haben wir unseren Van auf den Namen “Rusty”, denn der einzige Makel der uns gestört hat war ein durchgerostetes Loch am Seitenfesnter. Aber auch das macht nicht wirklich was und für australische Verhältnisse war Rusty ein Schnäppchen. Vor allem von Vorteil: er fährt auf LPG (Gas) und damit sparen wir doch so einiges an Spritgeld. Dennoch schluckt er ganz schön und eine Reise durch Australien wird uns da wohl noch so manches Tröpfen Sprit kosten. Doch wir sind unglaublich glücklich und euphorisch. Endlich wieder Auto fahren. Endlich wieder unabhängig und mobil. Traumhaft. Roland ist ganz besonders begeistert und würde am Liebsten gleich los fahren. Chrissy ist da etwas skeptischer und hat ganz einfach auch viel mehr Schiss vorm Linksverkehr. Zudem war zu Anfang noch nicht raus ob wir denn nun überhaupt berechtigt sind hier Auto zu fahren, da wir ja keine australischen, geschweige denn internationalen Führerscheine besitzen. Das haben wir einfach versäumt. Wir dachten uns: schauen mal was passiert sollten wir angehalten werden. Ein Auto zu kaufen war auf jeden Fall kein Problem und es auf uns umzumelden auch nicht. Dazu brauchte es nicht mal einen Führerschein. Ummelden tut man eh in der Post, genau wie alles andere. Der Automarkt in Autralien ist riesig, unübersichtlich, überteurt und verwirrend. So muss man regelmäßig REGO bezahlen, halbjährlich oder jährlich und kann das Auto dann ohne weitere Kontrollen so lange fahren wie man will. Zumindest ist das in West Australien so. In anderen Bundesstaaten sind die Regeln anders. Zu unserem Glück haben wir nun ein Auto mit West australischer Plakette, die verkaufen sich besser, vor allem an Backpacker. Denn die REGO kann auch online gezahlt werden und man muss nicht zum “TÜV” im jeweiligen Bundesstaat. Viele meinten, dass wir Rusty in Sydney später teurer verkaufen können als wir ihn gekauft haben. Das wäre natürlich spitze. Inzwischen haben wir eine Ausziehcouch hinten drin, das macht das Reisen doch recht kompfortabel. Wir werden Rusty in nächster Zeit weiter rüsten um später mehr vom wunderschönen Australien zu sehen. Zudem hat zumindest Chrissy inzwischen bereits einen australischen Führerschein beantragt und auch das war kein Problem, hat eben nur, wie alles andere auch, ein bisschen Geld gekostet. …

WIR IN PERTH – Ein kurzes Update

Chrissy January 15th, 2010

Wir sind da, endlich: Australien. Die ersten Tage verbringen wir staunend und laufen mit offenen Mündern durch die Straßen der Stadt. Alles ist so sauber, groß, weit,… und wir erleiden nach Indien den Kulturschock mal anders rum. Es ist fantastisch, so viele kleine und große Dinge die wir teilweise vermisst haben ohne es zu ahnen. Perth ist ganz schönes Kontrastprogramm und wir genießen es in vollen Zügen, auch wenn uns die Preise immer wieder schockieren. Ein Schlafplätzchen im Schlafsaal unseres Selbstversorger-Hostels kostet mehr (fast doppelt so teuer) als eine Nacht im Zweibettzimmer eines indischen Luxushotels mit Pool, Restaurant und WiFi. Dafür gibt es jedoch eine gut bestückte Küche, eine ordentliche Waschmaschine (nach Monaten Handwäsche), einen Trockner, einen geselligen Gruppenraum mit Couch und Fernsehen und was das europäische Herz eben sonst noch so begehrt. Zugegeben, in Indien brauchten wir keine Waschmaschine, weil wir jemanden zum Waschen engagierten, und wir brauchten auch keine Küche, da für uns gekocht wurde. Nun ja, der “fette Monat” ist wohl vorbei. Jetzt heißt’s wieder Selbstversorger.

Perth präsentiert sich in strahlender, glühender Sommerhitze und ist eine Großstadt die es schafft so zu tun als sei sie ein Dorf (Dieser Eindruck kann natürlich täuschen da wir von einem Land mit 1 Milliarde Menschen auf einen Kontinent mit 20 Millionen Einwohnern reisen). Die besiedelte Fläche ist groß, es gibt ca. 1,8 Mio. Einwohner, doch die Innenstadt beschränkt sich auf eine nur kleine Gruppe Wolkenkratzer die über sonst flache Bauten und ebene Fläche hinaus ragen. Der Nahverkehr ist modern, sauber und alles gut erschlossen, dafür kostet uns aber auch ein Einzelfahrticket soviel wie eine ganze Mahlzeit in Indien und wir hören uns selber immer wieder stöhnen. Inzwischen ist uns klar: so viel teurer als in Deutschland ist das hier alles gar nicht, es kommt uns nur wegen der Umrechnung in Australische Dollar und unserer langen Zeit im günstigen Asien so verdammt teuer vor. Die Menschen hier sind nett, offenherzig und vor allem tolerant. Alle sprechen endlich wieder verständliches Englisch und wir wundern uns warum wir nicht permanent angeglotzt und angetatscht werden. Als Weiße unter vornehmlich Weißen fallen wir offensichtlich nicht ganz so stark auf und uns hat dankbarer Weise noch niemand gefragt ob er, oder sie, ein Foto von uns machen kann. Mal schauen wann wir das vermissen. Zudem sind vor allem die Damen hier meist recht knapp bekleidet und allen Herren der Schöpfung die jetzt denken: “toll, da will ich hin” müssen wir sagen, fahrt besser nach Russland…Hier tragen alle Frauen knapp, egal ob sie die Figur dazu haben oder nicht. Es gibt also viel zu sehen und dabei auch vieles das man lieber nicht hätte sehen wollen. Aber es fühlt sich dennoch gut an, da wir endlich wieder sein können wie wir sind. Chrissy hat sich gleich in ein Schulter freies Outfit geworfen.

Neben der Stadt mit all ihren spannenden Ecken und Winkeln, den vielen modernen Gebäuden und der Menschenvielfalt, hat Perth natürlich noch einen weiteren Vorteil: die Nähe zum Meer. Es gibt so viele Strände, dass man jeden Tag zu einem anderen fahren kann und sie alle bieten wundervollen, feinen Sand, klares Wasser das in vielen Blauschattierungen daherkommt und Wellen die das Kind im Manne jubilieren lassen (Roland besitzt natürlich bereits ein Bodyboard).

Im Hostel treffen wir Holger, ein Deutscher, wie könnte es anders sein. Es scheinen sowieso nur Deutsche und Franzosen im Hostel zu wohnen und der ein oder die andere scheint auch wirklich schon länger dort zu hausen. Holger begleitet uns noch eine Weile ehe er weiter zieht und wir feiern gemeinsam Weihnachten und auch Silvester. Das freut uns, denn so ganz alleine wäre es doch etwas einsam geworden. Auch in der Stadtbibliothek wimmelt es von Deutschen und anderen Reisenden, da es dort kostenlosen Internetzugang gibt und das in wirklich netter Atmosphäre. Auch für uns wird die Bib zu einem zweiten Zuhause und wir verbringen an manchen Tagen mehr Zeit dort als uns lieb ist. Schon nach wenigen Tagen haben wir ein Zimmer gefunden, in einer WG, bis Ende Januar. Das kommt uns zum Einen günstiger als das Hostel und zum anderen ist es nett mal wieder einen festen Wohnsitz zu haben und wir genießen auch das in vollen Zügen. Unser Zimmer in der WG ist, sagen wir mal, simpel. Wir begnügen uns mit einem Bett und, naja, sonst eben nix. :-) Aber es ist ein bisschen mehr Zuhause als es jedes Hostel hätte sein können und wir haben eine wirklich nette Mitbewohnerin. Später sollten noch zwei weitere sehr nette Menschen dazu stoßen. Der Gedanke in Perth zu bleiben gefällt uns und so investieren wir fleißig und versuchen Jobs zu finden. Das artet in ganz schöne Arbeit aus, macht aber, zumindest eine Weile, richtig Spaß und wir sind guter Dinge. Die Schwierigkeit: unser Visum erlaubt uns nur ein halbes Jahr für einen Arbeitgeber tätig zu sein und so ist es nicht ganz leicht etwas zu finden das unseren Vorstellungen entspricht und bei dem wir gleichzeitig auf Kurzzeit genommen werden. Wir sind also mal wieder anspruchsvoll. Früchte pflücken, kellnern oder putzen können wir durchaus auch, wollen aber lieber versuchen in den Bereichen Informatik und Soziale Arbeit zu bleiben. Versuchen schadet ja nicht, wenn’s nicht klappt reisen wir weiter, oder pflücken halt doch ein paar Orangen. So verbringen wir unsere Zeit bisher vorrangig damit mit Englischen Begriffen zu jonglieren und hoffen, dass unsere Bewerbungen in etwa dem Standard entsprechen. Drückt uns die Daumen.

Liebe Grüße
Roland und Chrissy
oder
Chrissy und Roland
(wir konnten uns einfach nicht einigen :-) )

P.S. Inzwischen haben wir sogar ein Auto gekauft, einen Van. Getauft haben wir ihn, aus offensichtlichen Gründen, Rusty.

Chennai und dann ab nach Australien

Chrissy January 11th, 2010

Chennai
Zu Chennai gibt es nicht viel zu berichten, der Besuch war kurz, die Stadt an sich wie ich sie in Erinnerung hatte (voll, versmogt, irgendwie anstrengend) und unser Einblick beschränkt auf unser Hotel und das Einkaufszentrum.
Die Idee in Indien shoppen zu gehen bevor es ins teure Australien geht war genau richtig und so haben wir 2 Jeans, 2 Hemden, 2 T-Shirts und ein Paar Schuhe für Roland gekauft. Für mich gab es ein paar Nike Schuhe, drei Shirts, einen Pullover und Armreifen. Zudem haben wir uns noch ein Handy gegönnt, ein ganz einfaches. Das alles zusammen gab’s für schlappe 160 Euro. Unsere Einkäufe passten perfekt in unser Gepäck und wir hatten jeder ziemlich genau 20 Kilo dabei, mehr durfte es nicht sein. Dennoch hätten wir, im Nahhinein betrachtet, lieber mehr kaufen sollen, denn hier sieht das mit den Preisen schon anders aus.
Was wir zu viel hatten haben wir in einer Tüte gepackt und einer Bettlerfamilie am Straßenrand gegeben. Ein junger Mann mit Down-Syndrom war dabei der sich ganz besonders über zwei Hemden gefreut hat. So haben wir auch noch am Rande was Gutes getan.
Am späten Abend ging es dann per Taxi zum Flughafen und wir konnten ganz in Ruhe einchecken da wir früh genug dran waren. Alles ging problemlos und wir haben die Wartezeit damit verbracht Karten zu spielen. Der Flughafen in Chennai ist überraschend klein und bietet nicht wirklich viel Beschäftigung an für Wartende, aber die Zeit ging gut rum und schon waren wir unterwegs.
Der Flug entpuppte sich schnell als tatsächlicher Billigflug, es gab nämlich nix bzw. nix umsonst. Also haben wir versucht zu schlafen. Das gelang mir nicht so recht und ich war ziemlich zerknautscht als wir in Singapur zwischengelandet sind.

Singapur
Wir hatten einen langen Aufenthalt in Singapur. Der Flughafen ist modern und lichtdurchflutet und beherbergt einen Starbucks und einen Mc Donalds. Wir haben uns sogleich über das Mc Menü her gemacht und uns für mehrere Stunden im MC D einquartiert. Es gab kostenloses WIFI und so konnten wir uns beschäftigen. Ich bin dann trotz Kaffe mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen. Bestimmt ein herrliches Bild. So haben wir die Zeit tot geschlagen bis es weiter ging.

Auch der Anschlussflug entpuppte sich als Fernseh- und Radio los, es gab nur Wasser wenn man es gekauft hat und zu essen konnte man auch nur für teuer Geld erstehen. Wir waren dank Mc D noch satt und haben auch hier den Flug schnarchender Weise verbracht.

Am späten Abend sind wir dann in Perth gelandet, haben uns bei der Busfahrt bis zum Hostel über die kurze Aussicht auf die Umgebung gefreut und waren ganz aufgeregt. Nach Indien waren wir natürlich gleich sehr geschockt über die Preise, ein Bier kann hier so viel kosten wie eine Nacht in einem indischen Hotel. Tjaja, so is das.
Aber egal denn WIR SIND IN AUSTRALIEN und es ist der Hammer!
Fortsetzng folgt…

Zurück bei Father Anthony

Chrissy January 9th, 2010

Den Rückweg haben wir überraschend gut gefunden, mit einer Kombination aus Wegbeschreibung vom Zettel, bröckelnder Erinnerung, guter Intuition nicht allzu schlechtem Orientierungssinn und Richtungsweisungen von Passanten. Leider ging es mir inzwischen wirklich nicht gut und ich habe die Fahrt über ganz schön gelitten.
Bei Antony angekommen standen wir vor verschlossenen Türen, zumindest für einen Moment. Ein vorbeifahrender Inder hat uns dann Bescheid gesagt, dass alle Mönche bei der kleinen Kapelle am Ortseingang zu finden seien. Wir brauchten uns jedoch gar nicht erst auf den Weg dorthin zu machen denn es kam bereits ein Mönch auf seinem Motorrad angebraust, denn wir waren bereits gesehen worden. Auch hier haben wir ungewollt wieder für Verwirrung gesorgt, denn alle dachten wir kämen erst am kommenden Tag. Das müssen wir noch üben. Egal, Antony ist durchaus flexibel und hat nur kurz mit den Schultern gezuckt. Zudem ist sehr sehr fix in seiner Auffassungsgabe und wusste noch bevor ich den Mund auf gemacht hatte, dass es mir nicht gut geht. Ich habe mich in meiner Erschöpfung aufs Bett gelegt und Roland das Reden überlassen.
Antony hat sich dann als sehr kompetenter Fürsorger entpuppt. Einige Vitamindrinks, Tees mit Zitrone, Obst und andere Hausmittelchen später, hat er mich meinem Erschöpfungsschlaf überlassen. Roland hat gleich mit gemacht, denn er war auch inzwischen nicht mehr fit. Die Mönche sind weiter ihrer Arbeit nachgegangen, an diesem Wochenende hieß das: Kapelle streichen. Ich war sehr froh bei Antony zu sein und habe mich dort sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Antony hat genau die richtige Mischung aus Ruhe, Fürsorge und Humor gefunden und mich bis zur Abreise wieder fit gemacht. Danke!
Wir haben wie gesagt unser Motorrad bei Antony gelassen mit der Bitte es für uns zu verhökern falls möglich. Die Alte Schleuder wird wohl niemand haben wollen, zumindest nicht für Geld, so unsere Befürchtung. Obwohl das Mischinchen Robustheit bewiesen hat und nach unseren Reparaturen quasi wie neu war. Sollte Antony noch Geld dafür bekommen, werden wir entscheiden ob wir das Geld haben wollen, oder spenden. Sollte er auf dem Bike sitzen bleiben, ist es eine Spende an die Bruderschaft. Auch gut und nach all dem Aufwand und der Geld das wir Antony gekostet haben während wir dort waren, wären wir dann quitt. Antony hat das jedoch nicht so auf sich sitzen lassen wollen. Wir bräuchten ja schließlich Geld für unsere Weiterreise und daher wolle er uns das Motorrad abkaufen. Mit einem Bündel Geld und einer Menge guter Argumente bewaffnet ist er daher in unser Zimmer gestapft und hat mit viel Charme, Überredungskunst, Hartnäckigkeit und Herzblut versucht uns das Geld anzudrehen. Und er ist gut, wirklich gut, das muss man ihm lassen. Wir haben widerstanden, mit all unserer Dickköpfigkeit und für den Anfang musste er passen. Dann kamen neue Methoden ins Spiel: Geld unterjubeln. So fanden wir das Geld in unseren Jacken-, oder Hosentaschen, in Fächern unserer Rucksäcke oder anderswo in unserem Gepäck. Wir waren alarmiert und haben es immer wider gefunden und mit einem Lachen und einem Augenzwinkern zurück gegeben, oder eben auch in seinen Taschen verschwinden lassen. So ging das Spielchen einige Zeit hin und her, eine lustige und spannende Schlacht und wir dachten schon er hätte kapituliert.
Für die Fahrt nach Chennai hatte Antony mir extra frischen Kokosnusssaft besorgen und in eine Flasche umfüllen lassen. Dann ging es mit Sack und Pack los und natürlich wurden wir gefahren. Im Auto sitzend hat Antony noch ein Mal all seine Überzeugungskraft aufgebracht um uns das Geld aufzuschwatzen. Aber auch diesmal hatte er keinen Erfolg. Mitten im Wortgerangel fiel uns auf, dass wir den Saft hatten stehen lassen. Und trotz vielfacher Versicherungen meinerseits, dass das wirklich nicht nötig ist, hat Antony einen der Priester angerufen der uns dann per Motorrad hinterher geeilt ist um uns besagten Saft zu bringen. O.k., ich für meinen Teil habe zumindest an dieser Stelle resigniert. Am Bahnsteig kamen wir nur eine Minute vor dem Zug an. Antony hat naürlich das Zugticket bezahlt, keine Widerrede möglich. Er hat mir noch meine Tasche in den Zug gehieft, wir haben uns verabschiedet und er ist getürmt. Aha, das Geld war durch Zauberhand wieder in meiner Tasche gelandet. Zu spät, der ug rollte bereits an. Just in diesem Moment kam der Priester mit der Flasche angesprungen. Bevor er widersprechen konnte, denn er wusste nicht recht wie ihm geschieht, hatte ich die Flasche in seiner Hand gegen das Geldbündel ausgetauscht und habe im Wegfahren noch gerufen „Say thank you to Antony and tell him that we won!“ Dann waren wir auch schon unterwegs. Wir haben uns lachender Weise eine Sitzplatz gesucht und die Aussicht auf die vorbeirauschende Landschaft genossen. Später, in einer Mail, hat Antony geschrieben: „Congratulation, you won, this time!“. Was für ein Spaß.
Die Zugfahrt ging recht fix und war an sich recht ereignislos. Nur ein betrunkener Inder der uns gegenüber saß und anscheinend schlecht über uns geredet und uns beschimpft hat, nervte etwas. Einige beherzte Inder jedoch haben ihm zu verstehen gegeben, dass er aufhören soll und sich noch nett mit uns unterhalten. Dann ist der Typ auch irgendwann verschwunden.
Es waren ein paar wirklich schöne Tage bei Antony für die ich ihm a dankbar bin. So, weit er geht’s: Chennai, Shoppen, Abflug, auf nach Australien. …

Keechalam

Chrissy January 6th, 2010

Roland und ich wurden tatsaechlich in einem gemeinsamen Zimmer untergebracht und die Schwestern waren gastfreundlich wie eh und je und haben sich rührend gekümmert. Wie gesagt brauchte an sich kaum Zeit um wieder miteinander warm zu werden, dennoch war es diesmal anders. Meine Theorie dazu: Rolands Anwesenheit hat die Damen alle samt Zurückhaltung üben lassen. Als ich nämlich an einem Nachmittag mit Antony Ak, Sue Maire, einigen der Schwestern und älteren Mädchen hinterm Haus saß, hatten wir eine Menge Spaß und jegliche Zurückhaltung war vergessen. Antony Ak ist ein echter Spaßvogel und sie hat es verstanden die ganze Gruppe in Lachsalven ausbrechen zu lassen. Sehr lustig. Kaum war jedoch Roland wieder dabei waren sie alle um einiges zugeknöpfter. Der Hahn im Nonnenkorb sozusagen. Was mich gefreut hat, war die Freude bei allen mich wieder zu sehen. Auch wenn ich eines gelernt habe: Inder stehen nicht auf Überraschungen und können nur ganz schlecht und langsam darauf reagieren. Also beim nächsten Mal werde ich mich dann wohl doch lieber ankündigen.
Ein Besuch bei der Bruderschaft von Father Antony durfte natürlich auch nicht fehlen. Den Gründer, Father Gerald (ich hoffe so wird sein Name geschrieben), kannte ich ja schon und wir haben ihm unsere Aufwartung gemacht wie man so schön sagt. Um ehrlich zu sein schien er mir jedoch nicht so recht bei der Sache zu sein und wusste mit uns auch nicht so wirklich etwas anzufangen. Hinzu kam ein Missverständnis das sich erst einige Zeit später aufklären sollte. Zwei Nonnen des Ordens die wir bei Father Antony kennengelernt hatten waren wohl davon ausgegangen, dass wir in Keechalam bei Father Gerald und den anderen Priestern und Brüdern würden übernachten wollen. Daher waren sie so geistesgegenwärtig dort anzurufen und uns anzukündigen. Denn Inder stehen, wie zuvor bereits bemerkt, nicht so sehr auf Überraschungen. Leider wussten sie nicht, dass wir vorrangig die DMI-Schwestern besuchen wollten. Father Gerald hatte alles für uns vorbereitet und anscheinend die ganz Zeit auf unsere Frage, oder Ankündigung gewartet, dass/ob wir bei ihnen bleiben könnten. Als das nicht kam meinte er irgendwann, dass es doch selbstverständlich wäre, dass wir bei ihnen Unterkunft fänden, unser Zimmer sei bereits vorbereitet. Das hatte dann einen Moment der Sprachlosigkeit auf unserer Seite zur Folge und es dauerte einen weiteren Moment bis wir ausklamüsert hatten wo und wie dieses Missverständnis zustande gekommen war. Es tat mir unendlich leid und ich wusste auch nicht wie wir uns aus dieser Situation wieder raus manövrieren könnten. So haben wir uns vielfach entschuldigt und uns auch unendliche Male bedankt und so höflich wie nur irgend möglich abgelehnt. Wie viele Regeln der Gastfreundschaft wir da nun gebrochen haben und welche Schande das wohl war, kann ich nicht sagen und mag es glaub ich auch gar nicht wissen. Father Gerald hat sich dann aber doch recht schnell wieder gefangen und ist zu alter Gastfreundlichkeit zurück gekehrt. Wir wurden für den kommenden Tag eingeladen uns den Garten an zu sehen und mit ihm gemeinsam zu Mittag zu essen. Und stillschweigend einvernehmlich wurde das Missverständnis nicht wieder erwähnt.
Gesagt, getan, am kommenden Tag haben wir uns morgens mit Brother Joseph getroffen, der uns den Garten gezeigt hat. Dazu muss ich sagen, dass der Begriff Garten an dieser Stelle nicht ganz zutreffen ist, da es sich um ein mehrere Qkm großes Grundstück handelt. Ich hatte den Garten auch bereits besichtigt und war gespannt zu sehen was daraus geworden ist in den letzten Jahren. Leider schien alles weniger liebevoll gehegt zu werden als zu Father Antonys Zeiten und der Garten ist nicht mehr ganz so beeindruckend wie er es damals war. Aber immer noch beeindruckend genug und wir hatten Spaß bei der Führung. So manche Frucht die wir gesehen haben können wir gar nicht beim Namen nennen da exotisch, anders und damit zumeist unbekannt. Eines fiel mir jedoch auf: auch wenn Joseph ein Herzens guter Kerl ist und seine Führung sehr spannend schien es mir, als seien sie alle etwas abgestumpft gegenüber Besuchern aus dem Ausland. Ich war eine der ersten, aber wohl nicht eine der letzten, wie mir Father Antony versicherte und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es schon lange nix besonderes mehr ist und diese Führung durch den Garten inzwischen zum Standartprogramm gehört. Das tat meiner Freude jedoch keinen Abbruch und ich habe es genossen wieder dort zu sein.

Zum Mittagessen wurde dann groß aufgefahren und so europäisch gekocht wie es einem indischen Koch möglich ist. Father Geralds Vater, um die stolze 90 Jahre alt, zeit seines Lebens Koch, war zu Besuch und hat ein fantastisches Menü für uns gezaubert mit Hähnchen Schenkeln, selbst gemachten Fritten und Gemüse. Wir haben herzhaft gegessen und uns überschwänglich bei allen Beteiligten bedankt. Auch hier wieder: mehrere Brüder wurden als Servicekräfte abgestellt und haben uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen und das mit dem Können gleichzeitig absolute Diskretion zu üben, d.h. das Gefühl zu vermitteln alles mit zu bekommen was nötig ist und ansonsten gar nicht da zu sein. Eine echte Kunst. Es war ein wirklich schöner Tag, was wir einer Menge Leute zu verdanken haben die bemüht waren es zu einem schönen Tag zu machen. Danke.
Sonst gibt es nicht viel zu erzählen, ich habe alte Bekannte wieder getroffen und mich darin geübt alle Namen aus meinem Gedächtnis zu kramen. Die kleine Tharanhia von damals ist nun nicht mehr ganz so klein und hat mich längst vergessen. Zudem ist sie wider erwarten schüchtern gewesen und hat nicht ein Wort über die Lippen gebracht. Ich habe es dabei belassen und mich einfach daran gefreut sie gesund und munter zu sehen und fest zu stellen, dass sie mindestens genauso hübsch ist wie ihre Mutter. Die Kinder konnten sich auch zum Teil an mich erinnern und haben mich mit Fragen bombardiert. Leider sind die Englisch Kenntnisse bei den Kindern dort weiterhin sehr rudimentär und so blieb es bei den immer gleichen Standartfragen. Sehr schön war die eine: „Are you a boy or a girl?“, und wieder wurden mir die Jeans und das kurz geschnittene Haar zum Verhängnis. Das arme Kind hat einen Klapps von einem älteren Kind dafür bekommen und ich habe eine geschlagene Minute gebraucht um mich von meinem Lachkick zu erholen. Für Frauen in „Männerkleidung“ ist in der indischen Kultur, zumindest auf dem Lande, noch immer kein Platz und ich kann mir sehr gut Vorstellen für welche Verwirrung ich gesorgt habe.
Leider fing es in Keechalam an mir schlechter zu gehen und auch Roland fühlte sich nicht so ganz fit. Der Magen, mal wieder, das indische Essen und seine Tücken. Es sollte die kommenden Tage noch schlechter werden. Wir sind planmäßig wieder zu Father Antony zurück und ich habe mich dort mehr oder weniger ins Bett geschleppt und bin auch bis zur Abreise genau dort geblieben. Was für ein Pech.
es

Keechalam – AnFahrt und AnKunft

Chrissy January 4th, 2010

Father Antony konnte es freilich nicht riskieren, dass wir wieder im indischen Verkehr verloren gehen und hat sich das Erklären des Weges nach Keechalam gleich erspart. Stattdessen hat er seinen Fahrer (für die Schulbusse) dazu abgestellt uns nach Keechalam zu geleiten. Ramesh (das ist die Kurzform eines wie immer unirdisch langen indischen Namens und wird Rah mesch gesprochen), der, dank meines schlechten Gedächtnisses, jetzt auf David hört :-) , ist ein super netter Kerl, mit viel Humor. Er lebt schon seit Jahren bei der Bruderschaft und hat nur durch zuhören Englisch gelernt, was beweist was für ein helles Kerlchen er ist. Ramesh kommt ursprünglich aus der Nähe von Keechalam und kennt den Weg recht gut. Wir sind dann mit unserem Motorrad brav hinter ihm her gefahren und haben verzweifelt versucht uns den Weg zu merken, damit wir dann auch ohne Hilfe wieder zurück finden. Leichter gesagt als getan. Ramesh hat die Gelegenheit genutzt mit uns einen Abstecher in sein Heimatdorf zu machen und uns seiner Familie vorgestellt. Das war sehr nett und Ramesh glaub ich ganz stolz mit uns ein wenig angeben zu können. Seine kleine Nichte fand mich nach kurzer Anlaufzeit auch ganz spannend und wir haben wie immer Kekse und nen Softdrink bekommen und sind nun auch, wie es sich für einen Besuch bei Indern gehört, in unterschiedlichen Konstellationen auf Fotos verewigt.

Es war eine sehr nette Einladung und wir fanden es toll, dass Ramesh und seine Familie sich die Zeit für uns genommen haben. Leider waren die Unterhaltungen mit den Verwandten recht wortkarg, da Ramesch und seine Schwester die Einzigen mit Englisch-Kenntnissen waren. Aber wie immer: ein freundliches Lächeln ist international und freut die Gastgeber immer. Und ein kleines Kind im Raum schafft es ebenfalls immer alle Anwesenden zu beschäftigen.
In Keechalam angekommen hat Ramesh sich dann noch die Zeit genommen uns eine kurze Wegbeschreibung aufzuschreiben. Diese wurde später von uns als tauglich befunden, denn dank des Zettelchens haben wir es tatsaechlich wieder zurück geschafft. Erstaunlich jedoch: es zeigte sich, dass Ramesh nur bedingt schreiben und lesen kann und ich finde das macht es umso erstaunlicher, dass er Englisch spricht. Er hat mich damit doch ganz schön beeindruckt!

Keechalam, endlich, da war ich wieder. Schon bei der Hinfahrt kamen mir, je weiter wir uns annäherten, mehr und mehr Dinge bekannt vor. Als wir dann auf den Platz vorgefahren sind, kam als erstes Schwester Jancy (ich weiß mal wieder nicht wie man den Namen schreibt) auf uns zu und hat dann einen kleinen Moment gebraucht bis sie mich erkannt hatte. Eine Schrecksekunde später ist sie mir dann freudig um den Hals gefallen. Nach kurzen Bergüßungsworten habe ich mich dann auf den Weg hinters Haus gemacht in der Hoffnung Anthony Ak (Ak = große Schwester in Tamil) und SueMarie dort zu finden. Anthony Ak war auch tatsaechlich in der kleinen verrauchten Küche am Werk. Ich bin also rein gestürmt und habe mit meinen wenigen Tamilkenntnissen die noch übrig waren Hallo gesagt und sie an der Hand genommen und an die frische Luft befördert. Später habe ich erfahren, dass sie mir beinah eins übergebraten hätte, da sie dachte ich wäre ein Mann und nicht wusste was ich von ihr wollte. (Dieses Missverständnis habe ich übrigens dem Kurzhaarschnitt und der Jeans zu verdanken) Die Freude war jedoch ungetrübt, auch wenn Anthony eine Weile gebraucht hat um ihre Sprache wieder zu finden. Dann ging das Chaos los, etwas turbulent das Ganze, als immer mehr Leute hinzu kamen die sehen wollten wer denn da aufgetaucht ist. Roland war so nett sich in der Zeit um Ramesh und die Wegbeschreibung zu kümmern, die beiden wurden nämlich für einen Moment übersehen bei dem Ganzen Drunter und Drueber. Ich kannte wider Erwarten doch noch so einige Gesichter und habe mich sehr gefreut alle wieder zu sehen und muss zu meinem eigenen Stolz verkünden, dass ich sogar die meisten Namen noch wusste.Es brauchte nur einen kurzen Anlauf um mit allen wieder warm zu werden und ich habe mich daran erfreut Bekanntes wieder zu entdecken und Neues gezeigt zu bekommen. Sehr schön!

Happy Birthday…

roland.ellerweg December 26th, 2009

Timääää

Es sind wieder neue Fotos

Chrissy December 26th, 2009

und ein Film zu sehen. Die restlichen Berichte zu Indien liefere ich dann die kommenden Tage nach!

Genießt die Feiertage noch schön und kommt gut ins neue Jahr!

FROHE WEIHNACHTEN

Chrissy December 24th, 2009

an alle Lieben daheim!
Für die, die es noch nicht wissen: wir sind in Perth, Australien. Es ist wundervoll wenn auch an Weihnachten ein wenig befremdlich da hier derzeit Sommerferien sind. Wir schwitzen bei 30 bis 35 Grad und feiern dieses jahr mal ganz anders: nämlich am Strand.

Euch allen wünschen wir ganz wundervolle, besinnliche Weihnachten im Kreise der Liebsten. Bleibt gesund und geniesst das Fest in vollen Zügen. Wir vermissen Euch derzeit ganz besonders und sind in Gedanken bei Euch!
Herzliche Weihnachtsgrüße aus der Ferne
Euer Roland und eure Chrissy

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