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roland.ellerweg February 24th, 2010
Nachdem wir nun 9, bzw. 6 Monate lang unser Geld aus dem Fenster geworfen haben kommt endlich mal wieder Geld in die Kassen. Im westaustralischen Perth haben wir beide Arbeit gefunden. Endlich sind die Einnahmen also mal wieder groesser als die Ausgaben. Aber bevor wir wieder mal mit dem Ende voraus preschen fangen wir doch lieber von vorne an:
Am 16. Dezember 2009 sind wir in Perth angekommen. Das staendige Koffer ein- und auspacken hat uns ziemlich ausgelaugt weswegen wir uns nach einer festen Bleibe gesehnt haben. Diese haben wir denn auch in Rekordzeit (2 oder 3 Tage spaeter) gefunden. Schliesslich sollte zu der Bleibe auch noch ein festes Gehalt hinzukommen. Wir haben Bewerbungen geschrieben, abgesendet, geduldig gewartet und Unmengen Absagen erhalten. Das Ganze ueber eine frustrierend lange Zeit.
Wie es bei Roland war
Anfang/Mitte Januar habe ich dann endlich mal eine Einladung zu einem Vorstellungsgespraech erhalten. Eine Anwaltskanzlei suchte jemanden fuer die Office Administration mit IT Background. Kein Traumjob, aber immerhin. Klein Roland wirft sich also in Schale, kauft Schuhe, Hemd, Hose und Krawatte und macht sich bald auf zum Vorstellungsgespraech. Bevor ein Wort gewechselt wurde gab es erstmal einen Test. Einer der Angestellten drueckt mir Zettel uns Stift in die Hand und fuehrt mich in einen Raum. Er gewaehrt mir 15 Minuten Zeit fuer das doppelseitige DIN A4 Blatt und macht sich dann auch schon wieder rar. Ich schaue auf den Zettel. Als erstes kommt eine English-Grammar Frage, bei der in einem ca. 10 Zeiligen Text 50 Fehler versteckt sein sollen. Gut das ich ein Dictionary auf meinem Handy installiert habe. Ich gab einige Woerter die mir merkwuerdig vorkammen (naja…bin ich mal ehrlich: Sie waren mir voellig fremd) ein und musste feststellen, dass die Rechtschreibung korrekt war. Insgesamt streiche ich vielleicht 10 Sachen an, bin mir aber immer noch nicht sicher, ob ich nicht vielleicht eher noch mehr Fehler in den Text gebaut habe. Ich nehme mir die naechsten Fragen…allesamt Englisch Grammer…allesamt aehnlich erfolgreich fuer mich. Schliesslich stosse ich endlich auf Mathe und freue mich schon ein wenig. Eine Steuerberechnungsaufgabe bei der man die Mehrwertsteuer von einem Produkt berechnen soll. Das ist simple…waere den anstatt des Wortes Mehrwertsteuer der Prozentsatz angegeben… Um’s Kurz zu machen, haette ich mir selber eine Note geben muessen waere es vermutlich eine 7 gewesen. Mathe beim verehrten Herrn Schoedon war ein Klacks gegen diesen Test…
Ich resigniere ein wenig…“lasse ich mich halt noch ein wenig weiter im Vorstellungsgespraech verdreschen und dann ziehe ich ab“, denke ich mir. Das Vorstellungsgespraech ist allerdings relaxter als gedacht. Wir unterhalten uns nett und dem Test wird (Gott sei Dank) wenig Beachtung geschenkt. Ich erfahre, dass man mich eigentlich gar nicht wegen des Office Administration Jobs eingeladen hat, sondern wegen einer zu besetzenden Programmierer Stelle. Die Jungs strengen sich an, telefonieren ein wenig mit anderen Abteilungen um mich unterzubringen, aber am Ende des Tages gehe ich ohne Job nach hause.
Naja…ein Ass hat klein Roland immernoch im Aermel. In Sydney sucht eine schweizerische Grossbank jemanden fuer IT Support. Der Job hoert sich ein bisschen an wie Anwendersupport fuer Betriebssysteme, Netze und natuerlich Anwendungen. Das ganze auf ½ Jahr befristet. Was mich auf die Stelle hoffen liess ist die Tatsache, dass der zukuenftige Angestellte fliessendes Deutsch mitbringen sollte. So viele Australier mit Informatik Diplom und fliessendem Deutsch die ein halbjaehrlich befristete Stelle suchen kann es ja eigentlich nicht geben … dachte ich. Ein paar Wochen spaeter gab man mir jedoch zu verstehen, dass nur Australische Staatsbuerger fuer den Job in Betracht gezogen werden wuerden. Ich bin gespannt ob und wenn sie fuer den Job gefunden haben.
Das die Schweizer Bank noch nicht einmal zum Vorstellungsgespraech geladen hat, hat schon sehr gefrustet und ich hatte die Jobsuche mehr oder weniger damit abgeschrieben. Bei Chrissy sah es auch nicht wirklich gut aus und wir freundeten uns immer mehr mit dem Gedanken an die Koffer zu packen um weiterzuziehen. Schliesslich flattert in meinen Posteingang jedoch eine Email von einer Firma, die vorwiegend Web Development betreibt. Sie hatte mich ueber eine Anzeige, die ich vor ueber einem Monat in einem Portal geschaltet hatte gefunden. Ich werde zu einem Vorstellungsgespraech eingeladen. Ich fahre hin, unterhalte mich nett mit dem Chef, bis er aufsteht und mir einen Test in die Hand drueckt. “bloss kein Grammar, bloss kein Grammar” denke ich. Ich schaue mir den Test an und stelle fest, dass es nur um Informatik und Programmieren geht. Ich lege los und war, glaub ich, auch gar nicht schlecht. Der Chef sagt, dass er sich wohl bis morgen entscheiden wuerde. Noch am selben Tag ruft er an und stellt mich fuer den naechsten Montag ein.
Wie es bei Chrissy war
Roland geht mit grossem Elan an die Arbeitssuche. Ich hingegen bin da etwas fauler, langsamer und zu Anfang auch weniger gestresst. So gingen zuerst weniger Bewerbungen raus als bei Roland und ich habe meine Jobsuche auch anfangs auf Perth beschraenkt. Schnell habe ich festgestellt, dass ich mir einen Job im Bereich Soziale Arbeit abschminken kann. Dazu fehlen mir die Berufserfahrung, die Englischkenntnisse und das Wissen ueber das australische Sozialsystem. Zudem werden Sozialarbeiterinnen wohl nur fuer Langzeit gesucht. O.k., so’n Mist, dann halt nicht. Doch bevor ich putzen, kellnern oder zum Babysitten gehe, solls doch etwas sein, dass wenigstens im weitesten Sinne etwas mit Sozialer Arbeit zu tun hat. Ich moechte unbedingt Einblick erhalten in Soziale Arbeit in Australien und natuerlich auch sehr gerne eine Bescheinigung einsacken, die mir fuer meine Karriere nutzt.
Die naechste Feststellung die ich mache: Australier stehen auf Bescheinigungen und Referenzen und machen mir damit das Leben schwer. Meine Hoffnungen schwinden. So benoetigt man eine Police Clearance (polizeiliches Fuehrungszeugnis), einen Working with Children Check (der sicher stellt, dass ich bisher noch keine Kinder verkauft oder misshandelt habe), fuer die Arbeit im Bereich Altenhilfe ein Age Care Certificate, einen australischen Fuehrerschein und am Besten langjaehrige Berufserfahrung. Pah, ich habe weder noch zu bieten und werde immer frustierter. Referenzen habe ich zwei gute im Petto, meinen Abschluss mach ich in der Bewerbung einfach zu einem Master, da das deutsche Diplom unbekannt ist und ich mein Licht hier mal nicht unter den Scheffel stellen will, Erklaerungen folgen dann wenn ich es ins Vorstellungsgespraech schaffe. Fuer die Police Clearance brauche ich einen Pass, einen Nachweis darueber, dass ich in Australien arbeiten darf und einen Nachweis meiner australischen Adresse. So, da fangen die Schwierigkeiten bereits an: wir haben keinen Mietvertrag und auf den Rechnungen tauchen unsere Namen natuerlich auch nicht auf. Wie also soll ich meine Adresse vorweisen? Nach einigem hin und her wird klar: es reicht auch ein Brief einer offiziellen Stelle an diese Adresse mit meinem Namen drauf. O.k., wir wollten eh ein Konto eroeffnen, Unser potentielles Gehalt muss ja auch irgendwo hin. Ich gehe zur Bank und eroeffne ein Konto, dabei scheint es niemanden zu interessieren ob meine Angaben stimmen. Mit dem Brief von der Bank der meine Kontoeroeffnung bestaetigt habe ich zumindest das Adressenproblem geloest. Leider haben wir ein elektronisches Visum, also nix im Pass. Ich freue mich ueber meine Nix-wird-weggeworfen-Mentalitaet und drucke die Mail mit der Visabestaetigung aus. Um auf Nummer sicher zu gehen und da dies eh noetign ist, beantrage ich erst noch einen australsichen Fuehrerschein, mit dem ist dann die Police Clearance kein Problem mehr. Das alles kostet natuerlich Geld und um erhlich zu sein glaube ich, dass das in Wahrheit der einzige Grund fuer dieses Zertifikatgewirr ist. 70 Dollar fuer den Fuehrerschein, 50 fuer die Police Clearance und inzwischen habe ich auch einen 50 Dollar Working with Children Check beantragt. Die Australier spinnen, das ganze System mit Anmeldungen, Abmeldungen, Ummeldungen, Zertifikaten, Bescheinigungen, Paessen und und und ist einfach nur Mist und es scheint nicht wirklich Narrensicher. Aber es bringt dem Staat ne Menge Geld das der dann wieder veplempern kann. Hinzu kommt, dass in den verschiedenen Staaten Australiens auch wieder andere Regeln herrschen und so scheint mein neuer australischer Fuhererschein nur in West Australien gueltig zu sein und fuer die spaetere Reise benoetige ich somit (theoretisch) einen anderen. So ein Quark.
Nach einger Zeit, vielen Absagen oder langer Funkstille, spiele ich mit dem Gedanken doch putzen zu gehen, dass hat naemlich Steph unsere Mitbewohnerin gemacht und 20 Dollar die Stunde bekommen. Ich lasse mir, bevor sie abreist, die Kontaktdaten der Vermittlungsfirma geben. Frust! Lucys Mum ist auch Sozialarbeiterin und gibt mir, ueber Lucy, den Tipp es in den Krankenhaeusern zu versuchen. Was ein Tipp, denn einen Besuch in einem Krankenhaus spaeter und ich habe eine Einladung zu einem Vorstellungsgespraech. Gott sei Dank! Eine moegliche Stelle als Pflege Assistenz. Nicht mein Traumjob, aber egal. Das faellt auch noch irgendwie unter sozial, gibt Geld und die Arbeit in einem Krankenhaus ist bestimmt spannend und ne Sozialarbeitrin gibt’s dort bestimmt auch der ich vielleicht mal ueber die Schulter schauen kann. Nach langer Bewerberei also doch ein Erfolgserlebnis, oder um genau zu sein gleich zwei. Hat sich die erste Zeit doch wirklich niemand gemeldet, flattern mir auf einmal gleich zwei Angebote ins Haus. Ich bin gluecklich und zur gleichen Zeit eindeutig damit ueberfordert eine schnelle Wahl zu treffen. Dazu muss ich sagen, dass ich selber schuld bin, denn das Angebot fuer eine Pflege Assistenz in einem Altenheim gleich um die Ecke unserer neuen Wohnung (das Krankenhaus ist bei der alten Wohnung) ist bereits Ende Januar per Email gekommen. Allerdings ist diese Mail straight in meinem Spamordner gelandet und ich habe sie nur durch Zufall dort gefunden, natuerlich erst im Februar und natuerlich erst nachdem ich die Einladung zum Vorstellungesgespraech hatte. So, was nun? Ich habe mich bei beiden vorgestellt und ganz ehrlich gesagt, dass ich noch ein oder zwei Tage benoetige um mich zu entscheiden. Beide haben Verstaendis gezeigt und mir die Bedenkzeit gegeben. Sehr nett! Also habe ich einige Tage das jeweilige Fuer und Wider abgewogen und mich letztendlich fuer die Stelle im Krankenhaus entschieden. Der Grund ein ganz einfacher: mehr Stunden, mehr Geld, mehr Moeglichkeiten, groessere Einrichtung. Dafuer ist jedoch der Weg weiter und mich haette die Arbeit in dem auf Demenzpatienten spezialisierten Altenheimdoch schon sehr interessiert. Egal, die Entscheidung ist gefallen und ich freue mich sehr, dass ich auch endlich einen Job habe. Ende Februar gibt’s eine Schulung und dann geht’s im Maerz endlich los. Bis dahin geniesse ich die Freizeit, Unabhaengigkeit und Ruhe.
Seit dem wir wieder ueber ein regelmaessiges Einkommen verfuegen hauen wir ordentlich auf den Putz. Wir sind umgezogen, da wir aus der alten Wohnung ohnehin raus mussten. Nun teilen wir uns mit 3 Englaendern ein Haus mit Blick auf den Swan River (wo uebrigens demnaechst das Red Bull Air Racing statt findet). Neben der Aussicht haben wir zudem einen Pool, einen Tennisplatz, einen Basketballkorb und einen hyperaktiven Hund.
Auch Rusty unser Van faehrt weiterhin froehlich umher. Mehr und mehr mausert er sich zum Campinggefaehrt mit dem wir spaeter noch den Rest von Australiens erkunden werden. Allerdings mussten wir nach einigen laengeren Touren feststellen, dass der Vorteil von Rusty (Gasbetrieben) gar kein wirklicher Vorteil ist, denn wenn er auf Gas faehrt schluckt er gleich 20 Liter. Seit dieser erkenntnis nennen wir unseren Rusty auch „durstigen Rusty“. Seis drum…Gas kostet hier um die 60 australische Cent. Das sind etwa 40 Euro Cent. Soll er unseretwegen doch 40 Liter schlucken…
Wie man vielleicht zwischen den Zeilen gelesen hat: es geht uns gut und wir werden wohl noch ein kleines Weilchen hier bleiben. Wenn alles so bleibt wie bisher sind wir die kommenden sechs Monate weiterhin in Perth zu finden. Wer also ein Stueck Australien entdecken moechte ist herzlich eingeladen uns hier zu besuchen.
Cheers M…
Roland und Chrissy